Auswirkungen der Ostöffnung auf den österreichischen Arbeitsmarkt, die damit verbundenen Zuwanderungs- bzw. Integrationsprobleme sowie die sozialpolitischen Folgen für Österreich

Eingerichtet von
ADEL ALMACHTOULY
HARALD BERGER
AGNES KWIATKOWSKI
HERBERT PEYER
ELENA ZAKOVA
JAFAR GERANSSAYEH

1. Einleitung

1.1. Österreich und der Osten vor der Wende

"Österreich als Brücke zwischen Ost und West" - das ist längst zum Schlagwort geworden. So sehr, daß man manchmal auf die Ambivalenzen vergißt, die sich aus der Lage im Zentrum des Kontinents ( in "Mittel"-Europa eben) ergeben.

Zu diesen Ambivalenzen zählt, daß sich Österreich zwar einerseits immer schon dem westeropäischen Kulturkreis zugehörig fühlte und das Hauptaugenmerk der österreichischen Kultur und Politik traditionellerweise nach Westen ausgerichtet ist, andererseits aber ebenso traditionellerweise, durch den Verkehrsweg Donau begünstigt und von anderen westeuropäischen Staaten oft mißtrauisch beobachtet, intensive Beziehungen zum Osten des Kontinents unterhält. (vgl. Schekulin, 1993, S.1)

Diese Beziehungen scheinen aber die logische Konsequenz der, Österreich nach dem zweiten Weltkreig zugewiesen Randlage zu sein, in der sich auch dessen östliche Nachbarn wiederfinden.

Unmittelbar nach Ende des Krieges und während der Zeit des Kalten Krieges, als sich Ost und West politisch und wirtschaftlich voneinander abgrenzten, kam es dennoch in Österreich zu einer Wiederbelebung alter und zur Aufnahme neuer Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg. Österreichische Unternehmen waren in dieser Zeit entscheidend an der Entwicklung handelspolitischer Instrumente beteiligt, die in den folgenden Jahrzehnten die Stützen des Ost-West-Handels werden sollten.

Anfang der 70er Jahre räumte Österreich als erste westliche Demokratie den osteuropäischen Staaten die gleiche handelspolitische Behandlung wie allen anderen Staaten der Welt ein. Österreichische Unternehmen waren auch unter den ersten, die die damals neuen Möglichkeiten für Direktinvestitionen im Rahmen von Joint Ventures wahrnahmen.

In der Folge war in Österreich der Anteil des Osthandels am Gesamtaußenhandel dreimal so hoch wie im Durchschnitt der westlichen Industriestaaten. Österreich und österreichische Unternehmen waren somit besser als viele andere westliche Staaten gerüstet, als sich 1989 eine Wende in den politischen Verhältnissen Osteuropas abzuzeichnen begann. (vgl. Schekulin, 1993, S. 1ff)

1.2. Die Wende

Die Entwicklungen seit 1989 haben die geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa in einem Ausmaß verändert, wie es seit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht mehr zu beobachten war. Der ehemalige Block kommunistischer Staaten ist zerfallen, alle Staaten Osteuropas haben parlamentarische Demokratien nach westlichem Vorbild eingerichtet, die allerdings aufgrund nationaler und ethischer Konflikte bisher nur in den Ländern Ost-Mitteleuropas als stabil gelten können.

Zumindest ein mit auslösendes Element für die politischen Umwälzungen war die wirtschaftliche Ineffizienz des ehemaligen RGW, die sich vor allem darin äußerte daß, aufgrund geringer Produktivität und Dynamik, keine zufriedenstellende Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen gewährleistet werden konnte. Kernstück der Reformüberlegungen ist daher in allen Oststaaten eine Ablösung der zentralen Wirtschaftsplanung bei der Ressourcenallocation. Der Etablierung einer funktionierenden Marktwirtschaft stehen jedoch eine Reihe von Barrieren im Weg, von denen vor allem tradierte Institutionen, Qualifikationen und Verhaltensweisen zu nennen wären. Die Schwere und Dauer der Anpassungskrise dürften entscheidend dafür sein, ob die einzelnen Länder den Weg demokratischer Stabilisierung überhaupt fortsetzen können. (vgl. Mayerhofer, 1992, S. 1f)

Unter den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen und aufgrund verschiedener Konzepte der Übergangspolitik verlief die Entwicklung in den einzelnen Ländern unterschiedlich:

Polen begann als erstes RGW-Land (unter der Regierung Mazowiecki mit Jahres beginn 1990) den radikalen Übergang zur Marktwirtschaft, jedoch mit Maßnahmen, die allgemein auch als Schocktherapie bezeichnet werden. In der ehemaligen Tschechoslowakei beschritt man ein Jahr später einen ähnlichen Weg.

In Ungarn, wo die Traditionen schrittweiser Reformmaßnahmen stark ausgeprägt sind, kam eine Vorgangsweise wie in Polen oder der ehemaligen Tschechoslowakei nicht in Frage. Stattdessen wurde eine Politik des "graduellen Übergangs zur Marktwirtschaft" eingeschlagen.

In Bulgarien, Rumänien und der ehemaligen UdSSR brach die alte kommandowirtschaftliche Ordnung zusehens zusammen, während mit dem Übergang zur Marktwirtschaft noch nicht begonnen wurde.

In Bulgarien und Rumänien konnten Teile des früheren Machtapparates auch nach der "Wende" ihre Positionen halten. Die daraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen Opposition und ehemaligen Machthabern behinderten die Einleitung radikaler Reformen. Seit 1991 sind jedoch auch diese beiden Staaten auf Reformkurs.

In der ehemaligen UdSSR, die in eine tiefe wirtschaftliche und politische Krise geriet, kam es zu einem sich beschleunigenden Desintegrationsprozeß, der schließlich zum Zerfall der Union und zur Errichtung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im Dezember 1991 führte. Erst Anfang 1992 begann man, vor allem in Rußland, mit Wirtschaftsreformen.

Einen Sonderfall bildete die frühere DDR. Wenn auch die rasche Vereinigung mit der BRD unter den bestehenden politischen Bedingungen die einzig mögliche Lösung gewesen sein mag, versetzte vor allem der mit der abrupten Öffnung entstehende Konkurrenzdruck der mächtigen westdeutschen Wirtschaft der gänzlich unvorbereiteten DDR-Wirschaft einen Schock, der nur durch massive Transfers aus Westdeutschland zu verkraften war.

Am Beispiel der ehemaligen DDR zeigt sich deutlich, daß sich eine Kommandowirtschaft nicht von einem Tag auf den anderen dem hoch entwickelten Ausland gegenüber öffnen kann, ohne eine Katastrophe zu riskieren. (vgl. Beirat, 1992, S. 23ff)

1.3. Die Situation nach der Wende

Würde man versuchen, die Entwicklung seit 1989 in Phasen zu unterteilen, könnte man auf folgende Gliederung stoßen:

1.3.1. Die Euphorie

Die erste Phase des Übergangs von der Kommunistischen Kommandowirtschaft zur Marktwirtschaft war von zwei widersprüchlichen Entwicklungen geprägt. Einerseits breitete sich in Wirtschaftskreisen diesseits und jenseits der Grenzen eine wahre Euphorie aus, andererseits gerieten alle Reformstaaten in eine Anpassungsrezession, die durch den Zusammenbruch des Intra-RGW-Handels noch verstärkt wurde.

Aus Angst, die Gunst der Stunde nicht zu nutzen, versuchten viele westliche Unternehmen im Zuge der Euphorie und der sich bietenden Marktchancen, in den sich neu entwickelnden "Wirtschaften" Osteuropas Fuß zu fassen. Wie zahlreiche Beispiele belegen, wurde das Risiko, das so einem Schritt zugrundeliegt, von vielen Unternehmen unterschätzt und für einige sogar zum Verhängnis. (vgl. Schekulin, 1993, S. 4)

1.3.2. Die Ernüchterung

Der anfänglichen Euphorie folgte eine nüchterne, manchmal sogar eine etwas ernüchternde Sichtweise, obwohl sich die Entwicklung durchaus im Rahmen dessen hielt, was man realistischerweise erwarten durfte.

Vor allem die Auswirkungen der Anpassungsrezession trübten das Bild des neuen wirtschaftlichen Europas. Obwohl der Prozeß des wirtschaftlichen Übergangs in den einzelnen Ländern einen unterschiedlichen Verlauf nahm, war die allgemeine Wirtschaftsentwicklung von dieser Rezession und in der Folge von Inflation, sinkenden Realeinkommen und Arbeitslosigkeit geprägt.

Im Jahre 1991 vertiefte sich der wirtschaftliche Einbruch in der Region, was einen beträchtlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts für Mittel-und Osteuropa zur Folge hatte. Angesichts der Tiefe (und Dauer) des Produktionsrückgangs hätte die wirtschaftliche Lage besser als Depression denn als Rezession charakterisiert werden müssen. (vgl. Beirat, 1992, S. 24f)

1.3.3. Die aktuelle wirtschaftliche Situation

Angesichts der zurückgegangenen westlichen Nachfrage stehen jetzt alle Reformländer vor einer schwierigen Aufgabe. Sie müssen versuchen, die Stabilisierungspolitik weiterzuführen, ein Ausufern des Budget- und Leistungsbilanzdefizits zu verhindern und gleichzeitig aktiv wachstumsfördernde Maßnahmen zu setzen, um einen weiteren Anstieg der Arb eitslosenraten, die in der ganzen Region (mit Ausnahme der ehemaligen Tschechoslowakei) deutlich über 10% liegen, zu verhindern.

Polen hat die wirtschaftliche Wende mittlerweile geschafft, Ungarn, die ehemalige Tschechoslowakei und Slowenien sind in ähnlichen Positionen.

Südosteuropa hat mit Ausnahme Sloweniens die wirtschaftliche Talsohle noch nicht erreicht.

Weiter verschlechtert hat sich die wirtschaftliche Lage in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. In diesem Raum dürfte das Inflationsniveau bei mehr als 1000% bleiben. (vgl. Schekulin, 1993, S. 5f)

2. Wohnraum

Österreich ist heute für viele Bewohner Ost- und Mitteleuropas, des Balkans und der Sowjetunion ein "Tor zum Westen" geworden. Da viele Staaten Westeuropas Migranten aus der östlichen Hälfte Europas nicht mehr als Flüchtlinge anerkennen, wird Österreich für viele zur Endstation auf ihrem Weg in den Westen.

Noch bis 1989 kam Österreich im europäischen Wanderungsgeschehen eine eher unbedeutende Rolle zu. Österreich zählte zwar damals auch zu den Aufnahmeländern von Flüchtlingen und Gastarbeitern, war aber lange Zeit nur ein Zielland zweiter Wahl. Heute hat sich die Position Österreichs grundlegend geändert. In der gegenwärtigen Situation stel len Zu- und Abwanderung die zentralen Einflußgrößen der demographischen Entwicklung dar. (vgl. Faßmann, 1991, S. 5ff)

Allein in den Jahren 1989 und 1990 wuchs Österreichs Wohnbevölkerung durch Zuwanderung um mehr als 180.000 Personen, wobei ein Ende dieses Prozesses zur Zeit noch nicht abzusehen ist. (vgl. Faßmann, 1991, S. 103)

Diese Zuwanderung wirkt in Wien als Gegenpol zu dem seit längerem vorherrschenden Suburbanisierungsprozeß: seit Jahren herrscht bei der inländischen Stadtbevölkerung der Trend vor, in die Gemeinden des Umlandes bzw. Stadtrandgebiete abzuwandern. Durch diesen Wegzug von Wienern und durch den natürlichen Bevölkerungsabgang kam es zu einer Verdünnung der inländischen Wohnbevölkerung. Diese Bevölkerungsverluste wurden ab Mitte der achtziger Jahre vor allem durch den starken Zustrom von ausländischer Bevölkerung in das dichtbebaute Stadtgebiet ausgeglichen, sodaß in Wien trotz Abwanderung Wanderungsgewinne verzeichnet werden konnten (1993: +18.700). (vgl. STEP, 1994, S. 30ff)

2.1. Exkurs: Entwicklung der ausländischen Wohnbevölkerung in Wien

Die seit den siebziger Jahren feststellbare Zunahme der ausländischen Wohnbevölkerung hat sich in den achtziger Jahren deutlich verstärkt. Zwischen 1981 und 1993 hat sich die Zahl der in Wien wohnenden Ausländer mehr als verdoppelt, 1993 betrug ihr Anteil an der Wohnbevölkerung 18%.

Diese Entwicklung erklärt sich trotz einer restriktiven Arbeitsmarktpolitik durch folgende Ursachen:

(vgl. STEP, 1994, S.34f)

Diese verstärkte Migration führte zu einer Verknappung von Wohnungen, zu überbelegten Substandortwohnungen und zu Belastungen sozialer und schulischer Einrichtungen, sodaß heute mehr denn je die Gefahr sozialer Spannungen zwischen Wienern und Ausländern besteht. (vgl. STEP, 1994, S.34)

Um die reibungslose Integration von Zuwanderern in Österreich zu sichern, ist es daher notwendig, neben gesicherten Erwerbsmöglichkeiten vor allem eine ausreichende und finanziell tragbare Wohnversorgung zu schaffen. (vgl. Faßmann, 1991, S. 90)

Derzeit besteht am Wohnungsmarkt ein starker Nachfrageüberhang. Aktuell wird die Zahl derer, die in Österreich eine Mietwohnung suchen, auf 190.000 Haushalte bzw. über 400.000 Personen geschätzt. 1991 wurde für ganz Österreich ein Fehlbestand von 130.000 bis 170.000 Wohnungen geschätzt. (vgl. Faßmann, 1991, S. 96)

Extrapoliert man diese Entwicklung bis zum Jahre 2001 (unter Zugrundelegung der Haushaltsentwicklung entsprechend der Bevölkerungsprognose 1990 des Österreichischen Statistischen Zentralamtes), so ist zu erwarten, daß bei gleichbleibender Wohnbauleistung zur Jahrtausendwende in Österreich mit einem Wohnungsfehlbestand zwischen 250.000 und 340.000 Wohnungen zu rechnen ist. Da sich die neue Zuwanderung aber überproportional auf die östlichen Bundesländer und hier insbesondere auf den Ballungsraum Wien konzentriert, ist vor allem für diese Region mit einem zunehmenden Wohnungsfehlbestand zu rechnen. (vgl. Faßmann, 1991, S. 96f)

Ursachen für den starken Nachfrageüberhang sind:

(vgl. Beirat, 1992, S. 178)

Fast alle hier genannten Trends werden sich in der Zukunft noch verstärken.

Vor allem für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen wird es am Wiener Wohnungsmarkt immer schwieriger, sich mit Wohnraum zu versorgen. Eine verstärkte Zuwanderung wird diese Situation weiter verschärfen. (vgl. Beirat, 1992, S. 179)

Durch den Wegzug oder Tod von inländischer Bevölkerung werden in den dichtbebauten Gebieten im Althausbestand relativ günstige, aber schlechte Wohnungen frei, in die dann die ausländische Bevölkerung nachzieht. (vgl. STEP 94, S. 34f)

Die bisherige Entwicklung hat dazu geführt, daß 40% der türkischen und 51% der ex-jugoslawischen Familien in Substandortwohnungen leben (im Vergleich dazu: 6% der Österreicher).

Da Ausländer aufgrund gesetzlicher Vorschriften oder der Vergabepraxis gemeinnütziger Wohnbauträger keinen Zugang zu geförderten Neubauwohnungen haben, sind sie auf den privaten Wohnungsmarkt, insbesondere auf Substandortwohnungen angewiesen. Hier treffen sie jedoch auf ein schrumpfendes Angebot und dadurch überproportional steigende Mieten. Diese Wohnungen sind nicht nur für Ausländer teurer als für Österreicher, sondern auch häufig überbelegt und schlecht ausgestattet. (vgl. Beirat, 1992, S. 180)

Um eine unerwünschte Entwicklung in Richtung Slumbildung zu unterbinden, wäre für Ostösterreich und insbesondere fürWien, bei weiterhin starker Zuwanderung, eine über die Hälfte höhere Neubauleistung erforderlich. Darüberhinaus sollten auch die rechtlichen Bedingungen der Wohnungsvergabe neu überdacht werden. (vgl. Faßmann, 1991, S. 112)

3. Europa als Schnittpunkt von Migrationsströmen aus dem Osten und dem Süden

Die internationalen Wanderungsprozesse sind heute von einer dreifachen Bewegung gekennzeichnet: von einer Beschleunigung, einer Globalisierung und einer Regionalisierung der Ströme. Europa befindet sich im Zentrum dieser Entwicklung. Es erlebt eine Intensivierung der Wanderbewegungen von Süden nach Norden und von Osten nach Westen, eine Zunahme der Anzahl Asylsuchender, Wünsche nach Familienzusammenführung sowie die Nutzung informeller Ressourcen; alle diese Momente prägen die Zusammensetzung und Richtung der Ströme. In den achtziger Jahren vollzogen sich zahlreiche strukturelle Transformationen, die auch neue Kategorien von Migranten generierten. Diese neue Lage, die insbesondere Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich betrifft, hat die Problemstellungen verändert. Westeuropa ist der Kreuzungspunkt von Migration aus dem Osten und aus dem Süden. Im Unterschied zu den Wanderungen aus dem Süden kommen die östlichen Migranten derzeit nicht aus den Regionen mit dem stärksten demographischen Druck oder mit überschüssigen landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Im Gegenteil, die Regionen, aus denen sich Wanderungen nach Westeuropa vollziehen, sind durch schwaches demographisches Wachstum gekennzeichnet, aber die Wandernden verfügen über die im Westen "verkäuflichen" Qualifikationen, und sie sind vorwiegend städtisch (vgl. Chesnais, 1992). In der Zielsetzung der Niederlassung gibt es einen Unterschied, was den Zustrom Hochqualifizierter aus dem Osten von dem aus dem Süden betrifft: Im Osten wird die Niederlassung als eine vorübergehende betrachtet, im Süden keine Alternative zur Migration sehen, noch verstärkt wird. Das Migrationspotential des Ostens wie des Südens ist schwer vorhersehbar. Es ist abhängig von sozioökonomischen Ungleichgewichten Nord/Süd sowie Ost/West, von der politischen Unsicherheit in den jeweiligen Herkunftsländern und von den Diskrepanzen zwischen demographischen und ökonomischen Entwicklungen in den Herkunftsländern. Die Charakteristika der Migranten hat sich erheblich gewandelt, und das Fehlen typischer Migrationsmuster hängt mit den strukturellen Veränderungen in den Herkunftsländern zusammen:Verstädterung, Herausbildung von Mittelschichten mit Schulbildung, aber ohne Perspektiven, junge und auf daswestliche Abenteuer wartende Menschen.

Abwanderungsbereitschaft und tatsächliche Abwanderung

3.1. Die Bereitschaft zur Migration

Wenn man sich der vorherrschenden Migrationstheorie bedient, dann gibt es drei Bedingungen, die über die wirtschaftlich motivierende Bereitschaft abzuwandern entscheiden:

Die ersten beiden Faktoren beschreiben nur eine grundsätzliche Bereitschaft zur Migration, die jedoch durch die Kosten der Migration, die mehr als nur die bloßen Transportkosten umfassen, eingeschränkt werden. Es muß also sicher erscheinen, daß die Erträge einer Migration ihre Kosten übersteigen, ansonsten kommt sie nicht in Betracht. Welch e Umstände müssen also eintreten, damit sich Beschäftigte, Arbeitslose und erstmals in den Arbeitsmarkt Eintretende für die Migration entscheiden?

3.1.1. Die Migrationsbereitschaft von Beschäftigten

Wenn man die Einkommenssituation betrachtet, so erscheinen Unterschiede der durchschnittlichen Stundenlöhne von 8:1 und höher zwischen Österreich und den ostmitteleuropäischen Ländern als ein durchaus ausreichendes Migrationsmotiv. Da dieses Verhältnis auch auf die Durchschnittslöhne von Hilfsarbeitern zutrifft, jedoch auch die Lebenserhalt ungskosten in Österreich im Vergleich viel höher sind, kommt es zumeist zu kurzfristigen Arbeitsverhältnissen, mit großem Interesse an möglichst vielen Überstunden. Das Ersparte, das hiermit in relativ kurzer Zeit erzielt wird, wird danach im Herkunftsland verbraucht. Langfristig gesehen würden diese niedrig entlohnten Arbeitsplätze keinen Anreiz bieten, in Österreich zu bleiben.

Was die Beschäftigungschancen betrifft, so genügt es nicht, wenn im allgemeinen eine Nachfrage nach Arbeitskräften im Westen herrscht. Benötigt wird vielmehr eine ganz konkrete Arbeitsplatzzusage, um den bisherigen Arbeitsplatz aufgeben zu können. Diese wird zumeist über eine Kontaktperson (Verwandter, Freund) in einem Unternehmen, oder auch von einer Geschäftsleitung beschafft, falls ihr der Beschäftigte bereits aus früherer Beschäftigung bekannt ist. Daraus scheint also klar ersichtlich zu werden, daß die Migration bisher bereits Beschäftigter eine konkrete Nachfrage nach zugewanderten Arbeitskräften am Zielort voraussetzt. Weiters müssen die angebotenen Arbeitsplätze mindestens ebenso sicher wie die bisherigen das Auskommen am Zielort garantieren. Durch diese Voraussetzungen können die Kosten der Migration, die nicht nur die offensichtlichen Kosten, wie jene der An- und Rückreise, der Unterbringung und der Lebenshaltung, sondern auch noch eine Reihe anderer, wie die Kosten der Überbrückung von Einkommensausfä llen, Kredite, Nachholen der Familie, Überweisungen an nicht migrierte Familienmitglieder, beinhalten, bewältigt werden.

3.1.2. Die Migrationsbereitschaft von Arbeitslosen

Ein Faktor bei der Abhandlung dieses Themas ist, daß man die Arbeitslosen in kurzfristig Arbeitslose und Langzeitarbeitslose unterteilt. Das ist insofern erforderlich, als die Langzeitarbeitslosen in Osteuropa einen beachtlichen Anteil der gesamten Arbeitslosen ausmachen. Langzeitarbeitslose sind keine gefragten Arbeitskräfte. Sie werden von den Geschäftsleitungen von vornherein negativ gesehen (vgl. Zilian/Malle, 1994). Wenn die Arbeitslosigkeit ein halbes oder ein Jahr dauert, verlieren die Arbeitslosen den Mut und ziehen sich von der aktiven Arbeitssuche zurück. Dadurch reduziert sich der Prozentsatz der Arbeitslosen, die für eine Migration in den Westen in Frage kommen auf unter 10%.

Als Einkommen wird hier sozusagen die soziale Absicherung von Arbeitslosen in den Zielländern gesehen. Arbeitslose, die Sozialleistungen empfangen sind im allgemeinen sehr ortsfest. Sie werden weder woanders als Arbeitskräfte nachgefragt, noch geben sie leichtfertig die geringe Sicherheit der Sozialleistungen auf.

3.1.3. Die Migrationsbereitschaft von in den Arbeitsmarkt Eintretenden

Die größte Migrationsneigung weisen sicher Personen zwischen 15 und 30 Jahren auf, vor allem, wenn es sich um den Ersteintritt am Arbeitsmarkt handelt. Um diese Neigung dann aber in die Tat umzusetzen gilt es jedoch wieder die vorher erwähnten Bedingungen, wie eine fixe Arbeitszusage, ein schon vorhandenes Kapital zur Überbrückung, zu beachte n. Es bleiben daher nur sehr wenige übrig, die diesen Anforderung gerecht werden und wirklich migrieren.

3.2. Österreich als Zielland der Migration

Österreich nimmt als Zielland eine nachrangige Rolle ein. Am Beispiel Polens, wo in den achtziger Jahren etwa 1,1 Millionen Personen auf Dauer das Land verließen, kann man das sehr gut dokumentieren. Etwa 60% der Aussiedler gingen in die BRD, 15% in die USA aber nur 8-10% entschlossen sich für Österreich (vgl. SOPEMI, 1992, S.106). Diese Zahlen setzen sich zusammen aus den Asylwerbern und den sonstigen Zuwanderern ab 1981. Die Bevölkerungs- und die Einbürgerungsdaten zeigen, daß zwischen den beiden letzten Volkszählungen ( zwischen 1981 und 1991) die Bevölkerung polnischen Ursprungs um ca. 25.000 zugenommen hat, die rumänische um ca. 19.000, die ex- tschechische und slowakische um ca. 13.000, die ungarische um ca. 11.000. Die Bevölkerung türkischen Ursprungs nahm dagegen um ca. 65.000 zu, die ex-jugoslawische um ca. 88.000, die gesamte Bevölkerung ausländischer Herkunft um ca. 314.000 (vgl. Gächter, 1995, S. 33).

3.2.1. Die Nachfrage nach Arbeitskräften in Österreich

Tabelle 3.1: Ausländische Beschäftigte in Österreich im Jahresverlauf 1993 (nicht Jahresdurchschnitt)

                    |          | Dauer der     | Alter  | Median
                    |          | Beschäfti-    | im     | Brutto-
                    | Anzahl   | gung im       | Schnitt| einkommen
                    |          | Schnitt       | (Jahre)| 30 Tage
                    |          | (Tage)        |        |
----------------------------------------------------------------
Ex-Tschechoslowakei | 15.636   | 241           | 33,3   | 17.833
Polen               | 14.189   | 270           | 35,3   | 17.750
Ungarn              | 12.873   | 253           | 34,3   | 17.631
Rumänien            | 11.036   | 288           | 31,4   | 16.891
Jugoslawien         | 149.622  | 281           | 34,8   | 17.824
Türkei              | 59.802   | 285           | 31,9   | 17.734
----------------------------------------------------------------
Ausländer           | 323.283  | 272           | 33,8   | 17.721
Österreicher        | 2.559.150| 297           | 35,2   | 21.721

Quelle: Hauptverband der Sozialversicherungstäger

Eine Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften gibt es in den verschiedensten Branchen, wobei eine stärkere Nachfrage in den Bereichen der Sachgüterproduktion, Bauwirtschaft, Tourismus sowie Land- und Forstwirtschaft auftritt.

In der Sachgüterproduktion kommt es durch eine Umstrukturierung der Industrien weg von Facharbeitern auf angelernte Kräfte zu einer verstärkten Nachfrage nach ausländischen Anlernkräften, da das Angebot an inländischen Arbeitskräften zu gering ist. Durch die immer stärker werdende Industrialisierung von bislang handwerklichen Tätigkeiten wird dieser Prozeß natürlich verstärkt. Auch in der Bauwirtschaft gibt es die Tendenz die Facharbeiter durch breiter qualifizierte bzw. requalifizierbare und somit billigere Anlernkräfte zu ersetzen. Weil Anlernkräfte im heimischen Angebot kaum vorhanden sind, ist auch hier eine stetige Nachfrage nach Zuwanderern aus ärmeren Ländern zu erwarten. Im Tourismus wird es, sollte es zu einem Strukturwandel von bisherigen Familienbetrieben ohne professionelles Management zu größeren Einheiten mit entsprechendem Management kommen, voraussichtlich eine Abnahme der Gesamtbeschäftigung geben. Die Nachfrage nach fachlich versierten, mehrsprachigen Arbeitskräften wäre im Inland schwer zu befriedigen und daher würde verstärkt auf das Angebot von Fachkräften aus der EU zurückgegriffen werden. Was die weniger qualifizierten Arbeitskräfte betrifft, so ist mit einer Weiterbeschäftigung der jetzigen, vor allem aber der ex- jugoslawischen Arbeitskräfte zu rechnen. Nur im saisonalen Bereich ist eine stärkere Nutzung des Angebots aus den ostmitteleuropäischen Ländern zu erwarten. Die Land- und Forstwirtschaft nützt vor allem das Angebot an ausländischen Arbeitskräften, welche sich als Asylwerber oder Kriegsflüchtlinge bereits legal in Österreich aufhalten. Die Beschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft ist aber überwiegend eine saisonale.

3.2.2. Ausländerkategorien

Der 12a des AuslBG bestimmt die Bundeshöchstzahl (BHZ) für ausländische Arbeitskräfte in Österreich, die nicht aus den EWR und EU Ländern stammen. Die derzeitige Quote könnte leicht mit bereits sich jetzt in Österreich legal aufhältigen Personen, und zwar mit Kriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien, mit ausländischen Schulabgängern und mit Ehepartnern, vor allem Frauen, von bereits erwerbstätigen Drittstaatsangehörigen erreicht werden. Unter der Annahme, die systematische S chlechterstellung von Drittstaatsangehörigen im Arbeitsmarkt und in den Betrieben bleibe erhalten (z.B. kein Betriebsrat erlaubt), ist unabhängig von der Verfügbarkeit von EU-internen Arbeitskräften und unabhängig von der Zahl der EU-Mitglieder auch in Zukunft periodisch eine steigende Nachfrage nach Drittstaatsangehörigen zu erwarten.

3.2.3. Politische Möglichkeiten die Migration einzuschränken

Es gibt für die Politik drei Möglichkeiten. Erstens kann durch die Verringerung der Lohnunterschiede auf etwa die Hälfte ihres jetzigen Ausmaßes die Abwanderungsbereitschaft minimiert werden. Dazu wäre eine volle Eingliederung der ostmitteleuropäischen Staaten in die EU ein geeignetes Mittel. Die zweite Möglichkeit ist, der inländischen Na chfrage nach Zuwanderung aus den nahe liegenden Ländern entgegenzuwirken. Wiederum eignete sich dazu die volle Eingliederung der Ursprungsländer in die EU. Dadurch würden alle über die Löhne hinausgehenden Reize für die österreichischen Unternehmen uninteressant. Um auch den Lohnanreiz auszuschalten, müssen jedoch auch die Gewerkschaften eingreifen um für den Erhalt bisheriger Arbeitsbedingungen sowie Lohn- und Arbeitsplatzregelungen zu kämpfen. Als dritte Möglichkeit bietet sich an, nicht der Nachfrage selbst entgegenzuwirken, sondern nur ihrer Erfüllung. In diesem Fall müßte entweder den Bürgern der ostmitteleuropäischen Staaten der Zugang zu den österreichischen Arbeits märkten oder den Unternehmen verwehrt solche Politik eher die Tendenz zur Herstellung eines Schwarzarbeitsmarktes (vgl. Gächter, 1995, S. 38).

3.3. "Festung Europa"? Einwanderungskontrolle, Krise des Sozialstaats und Fremdenfeindlichkeit

Während der Nachkriegszeit und bis in die frühen siebziger Jahre spielten Einwanderungen für die Entwicklung Westeuropas eine zentrale Rolle. Ausländer trugen wesentlich zum Wiederaufbau der Industrie in den mitteleuropäischen Ländern bei. In diesem Zeitraum war die Einwanderung weder für die Staaten noch für deren Bevölkerung ein besonderes Thema. Doch in den letzten Jahren wird Einwanderung mehr und mehr als Last und auch als Sicherheitsrisiko empfunden. Welche Gründe bewirkten den Meinungsumschwung, in dem die Einwanderung nun als Last für die Aufnahmestaaten gesehen wird? Sowohl politische, als auch Faktoren der nationalen Identität spielen wahrscheinlich die entscheidende Rolle für den Meinungsumschwung. Einwanderer sind im allgemeinen willkommen, wenn sie in ökonomischer, sozialer, demographischer und kultureller Hinsicht mehr Ertrag versprechen als sie kosten. Das erklärt, warum in der Zeit des Wiederaufbaus bis in die späten sechziger Jahre die westlichen Regierungen eine aktive Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften betrieben. Hier standen zumeist rein ökonomische Motive im Vordergrund, dieselben Motive spielten auch für den Anwerbestop im Zuge der Ölkrise eine entscheidende Rolle zusammen mit sozialen und politisch bedingten Faktoren. Soziale und politisch bedingte Probleme, wie Konkurrenz um knappe Arbeitsplätze, soziale Leistungen oder Wohnungen. Die Annahme, daß die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte nur eine vorübergehende Erscheinung sei, erwies sich als falsch. Im Gegenteil, die ausländische Bevölkerung wuchs auch nach dem Anwerbestop, da sich die schon im Land befindlichen Arbeitskräfte dafür entschieden zu bleiben und darüberhinaus auf der Basis des Rechts a uf Familienzusammenführung ihre Familien nachkommen liesen. Darüberhinaus hat die Möglichkeit als Asylsuchender einzureisen, die Wirksamkeit der Politik des Aufnahmestops geschwächt, und umgekehrt hat die Verengung der sonstigen Zuwanderkanäle potentielle Zuwanderer veranlaßt, das ökonomische Asyl- Ticket zu wählen. Damit hat sich die Unter scheidung zwischen ökonomischen und politischen Migranten verwischt. Wichtige Ereignisse, die eine starke Auswirkung auf die Migrationsdynamik in Europa hatten, stellten die Ostöffnung 1989 und die Schaffung des Europäischen Binnenmarktes 1993 dar. Nach der Ostöffnung verließen 1989 mehr als eine Million Osteuropäer ihr Land in Richtung Westen. Zusätzlich erfolgte noch eine vermehrte Zuwanderung von Asylsuche nden und illegalen Einwanderern aus dem armen Süden, die durch den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien zu einer Krisensituation in der Einwanderung für die westeuropäischen Zielländer führte. Durch die Bildung des Europäischen Binnenmarktes, der jedem Einreisenden den freien Zugang innerhalb des Gemeinsamen Marktes zu jedem anderen der Mi tgliedsstaaten erlaubt, verschärfte sich die Situation für Einwanderungswillige beträchtlich. Keines der Mitgliedsstaaten wollte als Einfallstor für die Zuwanderer aus Drittstaatenländern, als Folge einer liberaleren Aufnahmepolitik als die anderen, dienen. So setzt jetzt praktisch die Politik des restriktivsten Staates den Maßstab. Darüber hinaus bewirkt auch die Frage der nationalen Kontrolle des Zuwanderungsstromes jedes einzelnen der Mitgliedsstaaten eine sehr hohe Sensibilisierung des Themas Einwanderung. In Zeiten einer Rezession wird den Migranten von verschiedenen Teilen der Bevölkerung die Schuld für verschiedene Übel der Gesellschaft wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, K@_rzung der Sozialleistungen vorgeworfen. Ganz besonders wird dieser Vorwurf an jene Gesellschaftsgruppen gerichtet, die noch nicht ein Leben lang in die Gesellschaft investiert haben, und so gegen das Gerechtigkeitsgefühl, das über die innere Verteilungslogik herrscht, verstoßen. Auch am Arbeitsmarkt kommt es durch eine gewisse Konzentration de r Beschäftigung von illegalen Einwanderern zu einem verstärkten Auftreten von kulturellen Stereotypen und individuellen Verhaltensweisen, aber solange es für Unternehmen ein Angebot gibt, besteht ein Anreiz zur illegaler Beschäftigung.

3.3.1. Die Aufnahme von Drittstaatsangehörigen in Österreich

Durch die Mitgliedschaft Österreichs im EWR wurden die zuvor bilateral geregelten, graduellen rechtlichen Unterschiede zwischen Ausländern verschiedener Staatsangehörigkeit vereinheitlicht und verschärft. Es gibt nun einen nicht nur graduellen, sondern einen fundamentalen rechtlichen Unterschied zwischen EWR Staatsangehörigen einerseits und d en Angehörigen der anderen Staaten, der sogenannten Drittstaaten (vgl. Gächter, 1995, S. 4). Die Bestimmungen der Aufnahme von Drittstaatsangehörigen werden von verschiedenen Motiven getragen. Zum einen wurde danach gestrebt, ausländische Staatsangehörige, die der Republik finanziell oder politisch zur Last fallen könnten, jederzeit außer L andes schaffen zu können. Zum zweiten ging es darum, die inländischen vor der Konkurrenz der ausländischen Arbeitskräfte zu schützen, indem der Aufenthalt ausländischer Arbeitskräfte auf jene Zeit beschränkt wurde, in der sie tatsächlich gebraucht, dh. beschäftigt wurden. Deswegen der prinzipielle Ausschluß vom Bezug der Notstandshilfe (vgl. Gächter, 1995, S. 9). Unterstützt wird das ganze noch von arbeitsmarkt- und sozialrechtlichen Bestimmungen, die zu starken Diskriminierungen von Drittstaatsangehörigen führen. So verfügt das ArbeitslosenversicherungsG (AsVG) eine unterschiedliche Vorgangsweise bei der Gewährung der Notstandshilfe. Hier werden Drittstaaatsangehörige mi t Ausnahme von anerkannten Flüchtlingen praktisch früher als inländische von der Notstandshilfe ausgeschlossen und so in die Unterhaltslosigkeit getrieben um so wiederum leichter abgeschoben werden zu können. Nach dem AuslBG, ist es möglich, sofern ausländische Arbeitskräfte von der Gewährung einer Beschäftigungsbewilligung (BB) abhängig sind, daß die Arbeitslosigkeit aufgrund gesetzlicher Vorschrift oder durch behördliche Intervention entsteht. Weiters bestimmt das AuslBG, daß bei der Vermittlung von arbeitslos gemeldeten Personen, Inländer und anerkannte Flüchtlinge den Vorzug erhalten. Beim Ansuchen um Sozialhilfe liegt dann die Unterhaltslosigkeit vor, die dazu führt, d aß die Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängert wird.

Das Aufenthaltsgesetz beinhaltet, daß Drittstaatsangehörige ohne ausreichendes Einkomen unabhängig von der Dauer des bisherigen Aufenthalts das Aufenthaltsrecht verlieren. Gemeinsam mit ihnen verlieren es alle abhängigen Familienmitglieder (vgl. Gächter, 1995, S. 7). Diese Regelung betrifft jedoch nicht jene Personen die unter das Asylgesetz fallen.

Die sogenannte "zweite" Generation, also die Kinder der Einwanderer, obwohl selbst nicht mehr Einwanderer, unterliegen als ausländische Staatsangehörige dem Aufnahmesystem ebenso wie ihre Eltern. Das selbe gilt für Drittstaatsangehörige Ehepartner und minderjährige Kinder von österreichischen Staatsangehörigen (vgl. Gächter, 1995, S. 8).

3.3.2. Drittstaatenausländer - "unfairer" Konkurrent bei der Arbeitsplatzsuche

Drittstaatsangeh&ou mlrige sind systematisch der Gefahr ausgesetzt bei Arbeitslosigkeit das Aufenthaltsrecht zu verlieren. Sie stehen dadurch als Arbeitslose unter Zeitdruck, und als Beschäftigte stehen sie unter dem Druck, das Auftreten von Arbeitslosigkeit möglichst zu vermeiden.

Abbildung 3.1: Wirtschaftliche Integration in Österreich: die interne Struktur des Mechanismus der Aufenthaltsbeendigung.



Unsicherheit            Verlust des
des           <-------- Aufenthaltsrechtes <------  Unterhaltslosigkeit
Aufenthalts                                                ^
   |                          kein Anspruch auf            |
   |   |--------------------- Notstandshilfe  -------------|
   |   |
   V   V
Arbeitslose
unter Zeitdruck
       |              kein passives Wahlrecht
       |   |--------- zum Betriebsrat (und zur AK)
       |   |
       V   V
     besondere
     Arbeitswilligkeit

Die rechtlichen Regelungen im österreichischen Aufnahmesystem für Drittstaatsangehörige bewirken, daß "Gastarbeiter" nicht einfach Arbeiter (oder Angestellte) sind, sondern daß sie als eine quasirechtlich e vierte Kategorie neben Beamten, Angestellten und Arbeitern fungieren. Ihre wesentliche Eigenschaft ist eine durch Zwang hergestellte erhöhte "Arbeitswilligkeit". Sie äußert sich vorallem in der Bereitschaft, unzureichende Arbeitsplätze zu akzeptieren und dann auch in diesen zu verbleiben, und zwar auch dann, wenn diese sich im Laufe der Zeit weiter verschlechtern (vgl. Gächter,1995,S.13).

3.3.3. Die Schlechterstellung der ausländischen Staatsangehörigen kommt einzig den Unternehmern zu gute

Der erhöhte Zeitdruck und die Wehrlosigkeit von Drittstaatsangehörigen wird von den Unternehmen als Arbeitswilligkeit und als Flexibilität ausgelegt. Da auch die Lohnforderungen der beruflichen Ausbildung nicht gerecht werden, besteht eine große Bereitschaft der Unternehmer Drittstaatsangehörige zu beschäftigen.

3.3.4. Folgen des österreichischen Aufnahmesystems

Dequalifikation: Es findet eine laufende Dequalifizierung der Drittstaatsangehörigen im österreichischen Arbeitsmarkt statt, da ihnen keine Weiterbildungsmöglichkeiten durch die Unternehmen geboten werden Substituierbarkeit: Die Ersetzbarkeit von Arbeitskräften steigt, je geringer ihre faktische Qualifikation ist.

3.3.5. Soziale und politische Folgen: die Erzeugung von Fremdheit

Abbildung 3.2: Der Mechanismus sozialer Integration in Österreich

                        Unsicherheit              kein Zugang zu
    |------------------ des Aufenthaltes          sozialem Wohnbau
    V                        |                         |
besondere                    |                         |
Arbeitswilligkeit            V                         |
    |                   temporäre                  |
    |                   Migration                      |
    V                        |                         |
geringere                    V                         V
Einkommen               Rücküber-         höhere
    |                   weisungen                 Mieten
    V                        |                         |
geringere Konsum-  <---------|                         |
ausgaben dh. sichtbar  <-------------------------------|
andere Lebensverhältnisse
    |
    V
offensichtliche soziale
Unterschiede lösen bei
den relativ besser Gestellten
Sicherheitsbedenken aus
    |
    V
Ausländer- und
Zuwanderungsfeindlichkeit

In Abbildung 3.2 sind die hauptsächlichen Bestimmungsgründe der teilweise heftigen Feindseligkeit gegenüber Zuwanderern und Zuwanderung zusammenfassend dargestellt.

Ein Weg, die Akzeptanz von Zuwanderern aus Drittstaaten zu erhöhen, wäre also gerade ihre umfassende Gleichstellung mit EWR-Bürgern. Die Anfänge dazu finden sich bereits. In den Assoziations- und Europaabkommen der EU, unter anderem mit der Türkei, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn, wird zumindest Gleichbehandlung in sozialer Hinsicht ve rlangt. Diese ist letztlich nur möglich, wenn aufenthalts- und arbeitsrechtliche Voraussetzungen dafür gegeben sind (vgl. Gächter, 1995, S. 23).

4. Arbeitsmarkt - Entwicklungen und Perspektiven am Beispiel Österreichs

4.1. Der österreichische Arbeitsmarkt

Der österreichische Arbeitsmarkt im Jahre 1993 war von einer Depression gekennzeichnet, der bereits in den Vorjahren rezessive Tendenzen vorausgegangen waren. Dies entspricht durchaus dem Bild eines normalen marktwirtschaftlichen Konjunkturzyklus, wenn auch das Ausmaß des Wachstumsrückgangs (BIP: -0,7%) von Wirtschaftsforschern wie politischen Entwicklungsträgern zunächst unterstützt worden war. Die Zahl der produktiv Erwerbstätigen war 1993 erstmals seit Mitte der siebziger Jahre rückläufig (-12.000 gegenüber 1992). Gleichzeitig wuchs die Zahl der zumindest einmal von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen auf über 690.000 an. (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.), 1994)

Besonders stark war der Abschwung in jenen Branchen des Produktionssektors, deren Absatzchancen und Marktpreise laufend starken Konjunkturschwankungen unterliegen. Dennoch gelang es der Industrie trotz einer deutlichen Reduktion der Personalstände, ein Produktionswachstum aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig erhöhte sich der Zustrom in das Arbeitslo senregistar auch von Personen, die aufgrund ihres Alters und Qualifikationsprofils zu den Kernschichten der Erwerbstätigen zählen. Im Dienstleistungssektor führte die rezessive Entwicklung zur einer Ablöse der starken Expansion früherer Jahre durch einen Auslesewettbewerb, in dem ertragsschwächere Unternehmen ihre Personalstände reduzieren mußten. Eine nahezu ungebrochene Ausweitung der Beschäftigung war ledeglich im Gesundheitswesen und in den öffentlichen Körperschaften zu verzeichnen.

Mit der Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen ist auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Zuge der Rezession deutlich angestiegen. Rund ein Fünftel aller von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen verweilten 1993 länger als sechs Monate im Arbeitslosenregistar. Rund ein Drittel aller Langzeitarbeitslosen hatten zum Zeitpunkt des Ei ntritts in die Arbeitslosigkeit ihr 50. Lebensjahr bereits vollendet. (vgl. Arbeitsmarktbericht, 1992)

"So wie für Individuen gilt auch für den gesellschaftlichen Bereich, daß die Vernachlässigung auftretender Probleme zu Gewöhnungseffekten mit gefährlichen Neben- und Langzeitfolgen führen kann, die dann nur schwer beseitigbar sind. Arbeitslosigkeit, als ökonimisches und soziales Problem, droht in diese Kategorie zu fallen."

Kurt W. Rothschild (1994)

4.2. Längerfristige Entwicklungen am österreichischen Arbeitsmarkt

4.2.1. Steigende Beschäftigungsdynamik

Nur ein Teil der beobachteten Arbeitsmarktentwicklung ist auf rein konjunkturelle Mechanismen zurückzuführen. Auch in den Phasen konjunkturellen Aufschwungs ist es seit Beginn der achtziger Jahre nie mehr gelungen, die Arbeitslosigkeit auf das Niveau des vorigen Konjunkturzyklus zurückzuführen. Der seit Anfang der achtziger Jahre nahezu ungebr ochene Anstieg der Arbeitslosigkeit weist vielmehr auf grundlegende Veränderungen der Beschäftigungsdynamik hin. Die Dynamik der Beschäftigungsverhältnisse wird dabei von zwei Komponenten bestimmt: dem Strukturwandel der österreichischen Wirtschaft und dem Planungs- und Beschäftigungsverhalten der Betriebe.

Der Begriff "Strukturwandel" umfaßt sowohl die langfristigen Veränderungen einzelner Sektoren und Branchen als auch die Umschichtung von Arbeitsplätzen zwischen Betrieben aufgrund des Wettbewerbes. Eine derartige Umschichtung von Arbeitsplätzen findet in jeder Phase des Konjunkturzykluses statt. Geringen Saldenveränderungen der Beschäftigung liegen erhebliche Verschiebungen von Arbeitsplätzen von stillgelegten oder schrumpfenden, zu expandierenden oder neugegründeten Betrieben zugrunde. Diese Umverteilung der Arbeitsplätze wiederum bewirkt eine Vielzahl von Auflösungen und Neuaufnahmen von Beschäftigungsverh&au mlltnissen.

Die Beschäftigungsdynamik der Betriebe der DABAN-Grundgesamtheit für das Jahr 1992 verdeutlicht dies. In diesem Datenkörper sind die Beschäftigungsveränderungen jener Betriebe dokumentiert, deren Personalentscheidungen primär von der Marktsituation beeinflußt werden. In diesem Unternehmenssektor sind rund 70% aller unselbständig Beschäfti gten Österreichs tätig. Zwischen den Stichtagen 1.1.1992 und 1.1.1993 reduzierten die Unternehmen ihre Personalstände um insgesamt 2.100 Personen (- 0,11%). Dabei gingen durch die Stillegung von rund 22.900 Betrieben 52.900 Arbeitsplätze verloren; jene 190.300 Betriebe, die zu beiden Stichtagen der Grundgesamtheit angehörten, reduzierten ihre Beschäftigtenstände im Jahre 1992 um rund 57.100, dagegen wurden in den rund 25.900 neugegründeten Unternehmen 107.900 Arbeitsplätze geschaffen. Diese Arbeitsplatzumschichtungen bewirkten insgesamt 495.600 Neueinstellungen von Beschäftigten, während im selben Zeitraum 497.700 Beschäftigungsverhältnisse aufgelöst wurden. Zwischenzeitliche An- und Abmeldungen ein und desselben Dienstnehmers (etwa aufgrund saisonsbedingter Auslastungsschwankungen) sind in diesen Umschlagszahlen nicht enthalten. (vgl. Arbeitsgemeinschaft für mikroanalytische Arbeitsmarktstudien, 1993)

Der weit überwiegende Teil dieser Arbeitsplatzumschichtungen ist für die betroffenen Personen mit einer Periode von Arbeitslosigkeit verbunden. Dadurch unterscheidet sich der Arbeitsmarkt der neunziger Jahre deutlich von jenem der siebziger Jahre. Noch vor zwanzig Jahren war Arbeitslosigkeit ein auf Saisonbranchen und -berufe konzentriertes Phä nomen, während der überwiegende Teil der Dienstgeberwechsel direkt, also ohne Arbeitslosigkeit als "Zwischenstation" erfolgte.

Die hohe Arbeitsplatzmobilität ist einerseits darauf zurückzuführen, daß der Wettbewerb zwischen den Betrieben in den letzten Jahren zugenommmen hat. Andererseits hat dieser Wettbewerb zu einer Änderung des Planungs- und Steuerungsverhaltens der Betriebe geführt. Hatten die Unternehmen der fünfziger Jahre versucht, durch eine Regulierung de r Märkte die Wettbewerbssituation zu stabilisieren, unterwerfen die Betriebe der neunziger Jahre ihre betriebsinternen Funktionsbereiche einem strengen Kostenkalkül und scheuen nicht vor einer Externalisierung bisher betriebsintern erbrachter Leistungen zurück. Wenn die Flexibilisierung der innerbetrieblichen Struktur es erfordert, dient die Auflassung innerbetrieblicher Arbeitsplätze als Instrument einer dynamischen Unternehmensstrategie. Stabile Kernbelegschaften mit dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen, die bei Bedarf durch Arbeitnehmer/Innen des sekundären Arbeitsmarktes ergänzt werden, gehören nicht mehr selbstverständlich zum Unternehmeskonzept der neunziger Jahre.

4.2.2. Veränderung und steigendes Arbeitskräfteangebot

Zur laufenden Ausweitung der Arbeitslosigkeit trägt auch das nach wie vor steigende Arbeitskräfteangebot bei (1993: +30.000). Dies ist sowohl auf eine positive Entwicklung der Erwerbsbeteiligung als auch auf demographische Faktoren, den (1993 bereits stark reduzierten) Zustrom ausländischer Arbeitskräfte und die verstärkte Rückwanderung bish er im Ausland beschäftigter Österreicher auf den Arbeitsmarkt zurückzuführen. Die Ausländerbeschäftig ung hat jedoch 1993 nur gering zugenommen, vielmehr ist eine Verschiebung weg von "neuen" zu bereits in das Beschäftigungssystem integrierten ausländischen Arbeitskräfte festzustellen.

Ende der achtziger Jahre war es freilich zu einem enormen Anstieg des Zustroms grenzüberschreitenden Arbeitskräfteangebotes und der Ausländerbeschäftigung gekommen. Dies wurde in der öffentlichen Diskussion mit der gleichzeitig zunehmenden Arbeitslosigkeit von "älteren" Personen in Verbindung gebracht. Tatsächlich hat die zunehmende Auslän derbeschäftigung zu Veränderungsprozessen auf dem Arbeitsmarkt geführt. Von diesen Substitutionsprozessen waren jedoch gleichermaßen integrierte Ausländer, jüngere und ältere inländiche Arbeitnehmer/Innen betroffen. Die Verdrängung älterer Arbeitnehmer/Innen aus ihren Beschäftigungsverhältnissen ist bereits seit Beginn der achtziger Jahre zu beobachten. Allerdings wurden diese Personen in Sonderform des Leistungsbezugs aus der Arbeitslosenversicherung (etwa Sonderunterstützungen für Krisenregionen) abgedrängt. Als Problem wurde die Altersarbeitslosigkeit erst Ende der achtziger Jahre durch das Zusammentreffen mehrerer Entwicklungen sichtbar: dem Anstieg dieser Altersgruppe bei den Erwerbspersonen aufgrund demographischer Entwicklungen (geburtenstarke Jahrgänge ab 1939), dem Auslaufen von Sonderunterstützungs- und Krisenregionsregelungen und dem allgemeinen Anstieg der Arbeitslosigkeit. (vgl. Arbeitsmarktbericht, 1991)

4.3. Aktionsbereiche der Arbeitsmarktpolitik

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios sehen sich die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungsträger gefordert, geeignete Maßnahmen zur Gegensteuerung zu entwickeln. Denn die Arbeitsmarktverwaltung muß sich aufgrund der steigenden Inanspruchnahme ihrer Serviceleistungen bei gleichzeitig begrenzten Ressourcen auf die Existenzsicherung der Leistungsbezieher/Innen und gezielte Vermittlungs- und Beratungstätigkeit beschränken. (vgl. WIFO-Monatsbericht 9/93, S. 427-479)

Eine Konzentration der arbeitsmarktpolitichen Interventionen auf Schwerpunktbereiche macht es für die AMV leichter, den kompensatorischen Charakter ihrer Maßnahmen auch der politischen Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Je besser dies gelingt, umso unbestrittener wird die Finanzierung solcher Maßnahmen sein. (vgl. Bundesministerium für Arbeit u nd Soziales, 1994)

Eine Strategie der "wechselnden Schwerpunktsetzung" (im Hinblick auf Berufe, Branchen und Regionen) ist schon deshalb notwendig, weil die für "aktive Maßnahmen" zur Verfügung stehenden Kapazitäten für eine flächendeckende Betreuung des österreichischen Arbeitsmarktes nicht mehr ausreichen. Das ist eine bittere Wahrheit, die es anzunehmen gi lt, um sicherzustellen, daß die jeweiligen Programme eine dem spezifischen Problemdruck angemessene Mindest- Organisationskraft besitzten. Ist die Interventionskraft der AMV bloß gleichmäßig eingesetzt, werden ihr jene sichtbaren Erfolge, derer jede Organisation bedarf, in zu geringem Ausmaß zufallen.

In diesem Sinn muß sich der "aktive" Maßnahmenbereich einer anderen Logik unterwerfen als dies für die "passive" Leistungsverwaltung gilt. Diese ist ihrem gesetzlichen Anspruchscharakter und ihrer sozialpolitischen Zielsetzung noch auf eine flächendeckende Versorgung ausgerichtet. Der "aktive" Instrumenteneinsatz ist dagegen gut beraten, die K räfte zu konzentrieren. Nur eine Kombination von kurzfristigen programmgeleiteten Interventionen und langfristig ansetzenden ordnungspolitischen Initiativen wird der Doppelanatur der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit gerecht.

"Die große Wahrheit unseres Zeitalters (mit deren Erkenntnis noch nicht gedient ist, ohne deren Erkenntnis aber keine andere Wahrheit von Belang gefunden werden kann) ist es, daß unser Erdteil in Barbarei versinkt, weil die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln mit Gewalt festgehalten werden."

B. Brecht

4.4. Aspekte der Ausländerbeschäftigung am österreichischen Arbeitsmarkt

Die österreichische Wirtschaftsentwicklung zwischen 1989 und 1991 verlief äußerst positiv und war mit hohen Beschäftigungsgewinnen verbunden, insbesondere erhöhte sich der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung von rund 5,5% auf 9%. Ursachen waren sowohl gestiegene Beschäftigungschancen aufrund der Expansion der Exporte nach Deutschland und Osteuropa als auch die von den politischen Reformbewegungen in Ost- und Südosteuropa ausgelösten Abwanderungen, die zum Anstieg der Asylwerber und Flüchtlinge in Österreich führten. Trotz dieser positiven Rehmenbedingungen stieg die Arbeitslosenrate von 5,0% (1989) auf 5,9% (1992). Der Konjunktureinbruch führte zu einer weiteren Erhöhung der Arbeitslosenrate auf 6,8% (1993), wobei ein weiteres Ansteigen um 1/4 Prozentpunkt für 1994 zu erwarten war. In Verein mit den gesetzlichen Maßnahmen zur Beschränkung der Ausländerbeschäftigung (Höchstzahlenregelung) führte die ungünstige konjunkturelle Entwicklung zu einer deutlichen Abschwächung des Wachs tums der Ausländerbeschäftigung.

Tabelle 4.1: Ausländerbeschäftigung im Überblick

     Ausländische  Veränderung Anteil an Gesamtbe- Ausländer
     Beschäftigte  absolut in %    schäftigung     Arbeitslosen-
                                                           rate
------------------------------------------------------------------------
1971      150,216          -        -      6,1%        -
1981      171,773      0,100      0,1      6,1%      3,4%
1987      147,382      1,419      1,0      5,3%      6,5%
1989      167,381     16,466     10,9      5,8%      5,9%
1991      266,461     48,850     22,4      8,9%      7,1%
1993      277,511      3,627      1,3      9,1%      8,9%

Quelle: WIFO-Datenbank, eigene Berechnungen

Die simultane Steigerung von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit läßt prima facie vermuten, daß die massive Zunahme des Arbeitskräfteangebots nicht friktionslos in Form ausschließlich komplementärer Beschäftigungschancen absorbiert werden konnte, sondern auch relativ starke Substitutionsprozesse am Arbeitsmarkt zwischen verschiedenen Gruppe n von Beschäftigten ausgelöst hat. Unter dem Gesichtspunkt der Qualifikationsstruktur liegt dabei die Hypothese nahe, daß insbesondere ältere und weniger qualifizierte inländische bzw. integrierte ausländische Arbeitskräfte unter steigenden Konkurrenzdruck von Seiten neu eingereister, "billigerer" und meist jüngerer ausländischer Arbeitsa nbieter geraten sind. Die dadurch ausgelöste Minderung individueller Erwerbschancen kann sowohl auf der Preis- wie auch auf der Mengenseite spezifischer Arbeitsmarktsegmente zum Ausdruck kommen und sich letztlich in erhöhter Arbeitslosigkeit niederschlagen.

Dieser Beitrag beschränkt sich auf ausgewählte ökonomische Aspekte der Ausländerbeschäftigung in Österreich (vgl. Faßmann, 1993). Im Zentrum steht dabei die Analyse der Reallokation von Arbeitsplätzen aund Arbeitskräften auf Betriebsebene im Zeitraum von 1989 bis 1991. Im Rahmen der ausgeprägten Fluktuationsdynamik am Arbeitsmarkt (Aufb au und Zerstörung von Arbeitsplätzen) läßt sich direkte Substitution auf Betriebsebene feststellen. Von diesen Prozessen wurden hauptsächlich bereits integrierte Ausländer negativ betroffen, hingegen gibt es keine ausgeprägten Hinweise auf eine Verdrängung von alteren durch jüngere Arbeitskräfte. Die These, daß der Ausländeraufbau die Löhne der Inländer stark negativ beeinträc htigt hat, konnte anhand der vorliegenden Daten nicht belegt werden. Allerdings gibt es Hinweise auf sinkende Beschäfti gungschancen für Inländer im Niedriglohnse gment und folglich auf eine stärkere Streuung der Inländere inkommen.

4.4.1. Saldenmechani k der Ausländer beschäfti gung

Die Nettoveränderung der Beschäftigung kann stets als das saldenmechanische Resultat von Bruttoveränderungen intepretiert werden, indem die Beschäftigungsgewinne bestimmter Arbeitnehmergruppen, Wirtschaftsbereiche oder Regionen den Beschäftigungsverlusten anderer Einheiten gegenübergestellt werden.

Die Aufteilung der Nettobeschäftigungsänderung im Untersuchungszeitraum auf inländische und ausländische Arbeitskräfte läßt sich übersichtlich anhand der marginalen Beschäftigungsquoten beschreiben. Diese wurden für die Gruppen ausländischer Arbeitskräfte relativ zur Gesamtbeschäftigung und für Ausländer ohne Vorkarriere (VK) relativ zur Ausländerbeschäftigung insgesamt berechnet. Um saisonale Einflüsse auszuschalten, wurden sowohl die Zeiträume Dez. 89/91 als auch Juli 89/91 untersucht (siehe Tabelle 4.2). Die marginale Ausländerbeschäftigungsquote von 0,56 bedeutet, daß die Nettobeschäftigungsänderung ausländischer Arbeitskräfte etwas mehr als die Hälfte der gesa mten Nettobeschäftigungsänderung im Zeitraum zwischen Dezember 1988 und Dezember1991 ausmachte. Für die Periode Juli 1989 bis Juli 1991 zeigt sich, daß der Beschäftigungszuwachs per saldo ausschließlich von Ausländern getragen wurde. Betrachtet man die Entwicklung auf Branchenebene so fällt auf, daß insbesondere die Branchen Handel, Reini gung und Gaststättenwesen sehr hohe marginale Beschäftigungsquoten von ausländischen Arbeitskräften aufweisen.

Die marginalen Beschäftigungsquote n der Ausländer ohne VK liegen für beide Untersuchungszeiträ ume deutlich über 1, d.h. lose formuliert, daß mehr als ein Ausländer ohne VK notwendig war, um in den Stichprobenbetrieben per Saldo eine zusätzliche Stelle eines Nichtinländers zu besetzen. Dies deutet auf ausgeprägte Erneuerungsprozesse in de r Struktur der Ausländerb eschäftigu ng hin, wobei Ausländer ohne VK in nicht unbeträcht lichem Maße die Stellen von Ausländern mit VK eingenommen haben. Diese Entwicklung gilt für alle ausgewählt en Branchen, wobei die Quote bei den sozialen Dienstleistung en am höchsten ist.

Tabelle 4.2:

Marginale Beschäftigungsquote Ausländer zu Gesamtbe- schäftigung Ausländer o. VK zu Ausländer- beschäftigung

                  Dez. 89/91 Juli 89/91 Dez. 89/91 Juli 89/91
Insgesamt
ausgewählt
e Branchen        0,56       1,09       1,52       1,30
Metall            0,29       0,34       1,52       1,17
Bauwesen          0,38       0,59       1,17       1,12
Handel            0,77       1,17       1,28       1,46
Gaststätten-
wesen             2,03       1,28       1,57       1,59
Rechts-
und Wirtschafts-
dienste           0,67       1,57       3,14       2,38
Reinigung         0,79       3,14       1,12       1,05
Öff.
Gebietskörper-
schaften          0,10       1,12       2,40       1,38

Quelle: SSEDP, IHS (1993)

4.4.2. Lohnentwicklung und Einkommensstruktur

Der durchschnittliche Lohn eines Inländer in untersuchten Betrieben lag im Jahresdurchschnitt 1991 um rund 30% über dem eines Ausländers. Auch zwischen den ausländischen Beschäftigten bestehen beträchtliche Lohndifferentiale, so verdienen ausländische Beschäftigte ohne VK im Durchschnitt nur ca. 80% des Lohnes von Ausländern mit VK.

Im Untersuchungszeitraum sind die Löhne im Aggregat um 12,2% gestiegen. Während die Inländer ihr Einkommen im Untersuchungszeitraum um 13% erhöhen konnten, betrug die Steigerung bei den Ausländern nur 8%. Der Beschäftigungsaufbau der Ausländer ohne VK mit vergleichsweise geringerem Lohnniveau bei gleichzeitigem Abbau von höher entlohnten a usländischen Beschäftigten mit VK bedingten den geringeren Lohnanstieg im Aggregat. Disaggregiert stiegen die Löhne der Ausländer mit VK (18%) bzw. ohne VK (20%) stärker als die Entlohnung der Inländer. Das Wachstum der durchschnittlichen Löhne je Beschäftigten hängt sowohl von der Entwicklung der relativen Beschäftigungsanteile von Inl@Jndern, Ausländern mit VK und Ausländern ohne VK, als auch von der relativen Lohnentwicklung der drei Gruppen ab. Formal setzt sich der Lohnzuwachs im Aggregat aus drei Beschäftigungsstruktur- und drei Lohnstrukturkomponenten (jeweils für Inländer, Ausländer mit VK bzw. ohne VK) zusammen.

Tabelle 4.3: Komponenten des Lohnzuwachses je Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen (Angaben in Prozent).


               ISE   ILE   AMVSE   AOVSE   AOVLE   Gesamt
TOTAL          12,2  -2,5  12,2   -0,8     2,3     0,6
Primärer
Sektor         8,6   -0,6  8,9    -0,1     0,3     0,2
Sachgüter-
produktion     13,8  -2,4  13,8   -1,0     2,2     0,9
Bauwesen       10,0  -6,6  10,2   -1,1     5,4     1,8
Handel         12,2  -1,7  12,0   -0,8     2,1     0,2
Gaststätten-
wesen          10,7  -8,1  9,5    -3,6     11,1    1,0
Öff.
Gebiets-
körperschaften
               13,7  -0,3  13,5   -0,1     0,2     0,2

Quelle: SSEDP, IHS (1993)

Aus Tabelle 4.3 erkennt man den Einfluß der einzelnen Komponenten auf das Lohnwachstum für die Gesamtwirtschaft und die einzelnen Wirtschaftsbereiche. Innerhalb dieser verlief die Lohnentwicklung sehr unterschiedlich. Für die unterdurchschnittliche Lohnentwicklung im Bauwesen und in Gaststättenwesen sind hauptsächlich der überdurchschnittliche Rückgang der Inländer- bzw. der Ausländer - (mit VK) Beschäfti gung verantwortlic h, der Inländerl ohneffekt war ebenfalls unterdurchsch nittlich. In der Sachgüter produktion läßt sich der positive Lohnzuwachs hauptsäch lich auf die Komponente Inländerl ohneffekt zurückf&u umlhren.

4.5. Die Zukunft von Gestern als Arbeitsmarktp olitik im Interesse der Herrschenden

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes im jüngsten Aufschwund wurde als krisehaft empfunden. Zwar nahm die Beschäftigung zu, aber noch schneller stieg die Arbeitslosigkeit, während gleichzeitig rege Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus der Türkei und auch aus Osteuropa verzeichnet wurde. Der folgende Ansatz widmet sich der Untersuchung einer möglichen Ursache dieser "Entwicklung", nämlich der unterschiedlichen Nützlichkeit von Inländern und Ausländern für Unternehmen. Es wird gezeigt, daß es dem allergrößten Teil der ausländischen Arbeitskräfte von Rechts wegen versagt ist, inakzeptable Arbeitsplätze zu boykottieren. Dem ist auch strukturpolitische Bedeutung beizumessen. Einerseits wird so eine Masse von Arbeitskraft verfügbar gehalten, die sehr flexibel auf geographische und branchenmäßige Veränderungen des Angebots an Arbeitsplätzen zu reagieren gezwungen ist und ebenso auf Veränderungen in der Arbeitszeitgestaltung. Andererseits wird die österreichische Wirtschaftsstruktur auf die se Weise mit einem gewissen, allerdings schwer zu schätzenden Prozentsatz von Arbeitsplätzen belastet, die besonders gesundheitsgefährdend sind, die eine schwache Lohnentwicklung aufweisen, und die für die Beschäftigten keine Ausbildungs- und Aufstiegsperspektiven bereithalten. Das Problem, um das ganz deutlich zu sagen, das hier diagnostiziert wird, ist nicht die Zuwanderung als solche, sondern die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen in Österreich "Ausländer" beschäftigt werden.

4.5.1.Gastarbeiter

Gastarbeiter sind zu über 90% Arbeiter (und nicht Angestellte oder Beamte), aber sie sind nicht einfach Arbeiter. Es gibt wesentliche rechtliche Unterschiede zwischen Arbeitern und Gastarbeitern:

Wichtig ist es vor allem das Zusammenspiel dieser Bestimmungen zu sehen. Wer keinen Betriebsrat hat, kann sich innerbetrieblich nicht durchsetzen. Die Folgen sind niedrigere Einstufung und entsprechend schlechtere Bezahlung, ungünstiger liegende Arbeitszeiten, größeres Unfall- und Gesundheitsrisiko usw. Des weiteren hat Arbeitslosigkeit für au sländische Staatsangehörige eine wesentlich dramatischere Bedeutung als für Österreicher. Während nämlich Österreicher, solange sie sich als arbeitsfähig und arbeitswillig erweisen (und nicht Studenten sind), einen im Prinzip unbefristeten Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung haben, ist das bei ausländischen Staatsange hörigen nicht der Fall. Sie haben gleichen Anspruch auf Arbeitslosengeld, aber entweder gar keinen oder einen auf maximal einmal 52 Wochen befristeten Anspruch auf Notstandshilfe. Letzteres gilt für die ca. 35% der Befreiungsscheininhaber, für anerkannte Flüchtlinge, für Personen, die seit Geburt oder seit 1930 ununterbrochen ihren Wohnsitz i n Österreich hatten sowie für Bürger von EWR-Staaten. Das heißt, wenn sie einen Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erworben haben, dann reicht dieser von mindestens 20 Wochen bis höchstens 104 Wochen (knapp 2 Jahre). Danach sind sie unterhaltslos. Gibt es niemanden in der engsten Familie, der für sie unterhaltspflichtig ist und dieser Pflicht nachkommen kann, dann wird ihre aufenthaltsrechtliche Situation prekär. In etwa 85% der ausländischen Bevölkerung haben nur eine befristete Aufenthaltsbewilligung bis zu zwei Jahren. Falls sie diese während der Arbeitslosigkeit verlängern lassen mußten, so wurde die Verlängerung zwar wahrscheinlich erteilt, aber sich er befristet und zwar bis zum Ende der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung. Sind sie dann noch immer arbeitslos und ohne Unterhalt, so darf das Amt keine Aufenthaltsbewilligung mehr erteilen. Mit anderen Worten, mit jeder Arbeitslosigkeit kommen ausländische Staatsangehörige auf die Rutschbahn aus Österreich hinaus.

Es ist an dieser Stelle nicht Platz, um die komplexen Folgen von rechtlichen, branchenmäßigen und qualifikationsbezogenen Effekten auf die Arbeitslosigkeit von Gastarbeitern zu erörtern. Die Unterschiede sind jedoch dramatisch. Während bei Gastarbeitern im 3. Quartal 1993 weniger als 5% als Arbeitslose seit 12 Monaten oder länger vorgemerkt w aren, waren es bei anerkannten Flüchtlingen fast 14% und bei österreichischen Staatsangehörigen über 22%. Auch wenn diese Differenz zu einem gewissen Teil auf unterschiedliche Alters-, Branchen- und Berufsverteilung zurückführbar sind, zeigt sich doch, daß Gastarbeiter von Rechts wegen zu sehr viel größerer "Flexibilität" im Arbeitsmarkt und in den Unternehmen gezwungen sind als andere Arbeitskräfte. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die Abschiebbarkeit. Soll im Arbeitsmarkt Gleichheit herrschen, dann muß sie als erstes abgeschafft werden.

4.5.2.Okun's Law (Arthur Okun)

"Wiederlegung des Okunnischen Gesetzes"

Hier sieht Okun eine Beziehung zwischen realem Wachstum und der Verände rung der Arbeitslose nquote. Es besagt, daß bei jedem Wachstum des realen BIP von 2,5 Prozentpunk ten oberhalb der Trendgrenze über ein Jahr hinweg die Arbeitslose nquote um einen Prozentpunk t abnimmt.

In den 80er Jahren hat es in Österre ich ein hohes Wachstum gegeben, wobei Arbeitslose nrate kaum gesunken ist.

Ein aktuelles Ergebnis zeigt gerade, daß im Burgenland die Arbeitslosenrate deshalb nicht sinkt, weil die Unternehmen verstärkt ausländische Arbeitskräfte (Tagespendler aus Ungarn) beschäftigen, was das "Okunnischen Gesetz" in Frage stellt.

5. Wie gehen Ausländer auf Arbeitsplatzsuche? - Wirtschaftliche Anforderungen an die berufliche Aus- und Weiterbildung im EU-Raum

Bevor wir beginnen diese Frage zu beantworten, möchten wir zuerst die Lage des Wiener Arbeitsmarktes kurz beschreiben. In den Jahren nach 1988 erlebte der Wiener Arbeitsmarkt einen starken Aufschwung. Die österreichische Wirtschaft versuchte aus dem billigen Angebot an ausländischen Arbeitskräften großen Nutzen zu ziehen. Einerseits verdienen ausländische Arbeitnehmer um rund 15% weniger als inländische, was zu einer Reduzierung der betrieblichen Lohnkosten führt, die zumeist eine Hauptkomponente der Betriebsausgaben darstellen, andererseits konnte man den Personalmangel im Gastgewerbe, in Sozialberufen und bei Reinigungskräften herabsetzten. Die Zahl der beschäftigten Ausländer erhöhte sich von 70.000 im Jahre 1988 auf 105.000 im Jahr 1991 (vgl. Rudolph, 1994, S. 203). Dies bedeutet eine Steigerung von 50% in nur drei Jahren. Etwa zwei Drittel der in Österreich beschäftigten Ausländer stammen aus den Oststaaten, vor allem aus Polen, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakei (vgl. Bellak, 1995, S. 8-11). Das massive Angebot an ausländischen Arbeitskräften verursachte einen großen Schock und Ängste bei einem Großteil der inländischen Bevölkerung.

Jetzt kommen wir zur Antwort unserer Frage, wie Ausländer auf Arbeitsplatzsuche gehen. Meistens ist das Arbeitsamt der klassische Kern für die Arbeitsvermittlung. Das Arbeitsamt wird staatlich betrieben, entweder in Konkurrenz zu privaten Agenturen oder als gesetzliches Monopol der Arbeitsverwaltung. Dabei ist Arbeitsvermittlung als Tätigkeit zu verstehen, die kontinuierlich darauf ausgerichtet ist, Arbeitssuchende mit Arbeitgebern zur Begründung von Arbeitsverhältnissen zusammenzuführen. Die zweite Methode zur Arbeitssuche sind Annoncen, die von Zeitungen kostenlos entgegengenommen werden. Meistens sind diese Annoncen, wie sie zum Beispiel im Bazar zu finden sind, ausgesprochen deta illiert und bieten informationsreiches Quellenmaterial für die sozialwissenschaftliche Forschung.

Die Bemühungen der Arbeitsmarktverwaltung im Integrationsbereich konzentrieren sich auf ein System mit unterschiedlichen Integrationsabstufungen. Während für den Neuzugang von Ausländern auf den österreichischen Arbeitsmarkt grundsätzlich eine für einen konkreten Arbeitsplatz zu erteilende Beschäftigungsbewilligung notwendig ist, soll mit der kürzlich eingerichteten Arbeitserlaubnis die Autonomie und Flexibilität der Ausländer am Arbeitsmarkt erhöht werden (vgl. Pollak, 1994, S. 72).

Die alte Regelung, die den Ausländer trotz schlechter Lohn- und Arbeitsbedingungen zur Aufrecherhaltung des Arbeitsplatzes gezwungen hat, wird durch eine Neuregelung ersetzt, die dem ausländischen Arbeitnehmer bei Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen zum Erhalt einer Arbeitsbewilligung berechtigt, die die Arbeitsaufnahme auf einem beliebigen Arbeitsplatz innerhalb des Bundeslandes ermöglicht.

Die wichtigsten Integrationsbedingungen dienen vor allem dem erleichterten Erwerb des Befreiungsscheines durch die Herabsetzung der erforderlichen Beschäftigungszeit auf fünf Jahre innerhalb der letzten acht Jahre.

Die Neurege lung wird das Verfahr en zur Ausl&au mlnderb esch&au mlftigu ng in Öst erreich beschle unigen. Besonde rs Antr&au mlge auf Besch&a umlftig ungsbew illigun g sind vom Arbeits amt bzw. von der regiona len Gesch&a umlftss telle des Arbeits marktse rvices innerha lb von vier Wochen zu entsche iden.

Als weitere Maßnahme zur Förderung der Integration von ausländischen Arbeitskräften auf dem österreichischen Arbeitsmarkt ist ein eigenes Förderungsprogramm für diesen Personenkreis entwickelt worden. Dieses Programm beinhaltet Beihilfen zur Förderung der beruflichen Mobilität (Arbeitsmarktausbildung, Höherqualifizierung), zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten sowie zur Förderung der Lehrausbildung und Berufsvorbereitung.

Dazu kommt die Novelle des Ausländerbeschäftigungsgesetzes mit der aktiven Betreuung von Ausländern. Die aktive Betreuung umfaßt Beratung, Vormerkung, Vermittlung, die Durchführung von Kursmaßnahmen (Deutsch- Integration-Qualifizierungskurse) sowie eine verstärkte Einbeziehung externer Ausländer- bzw. Flüchtlingsberatungsstellen zur Lösung sozialer Probleme.

Die strukturelle Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft innerhalb der Europäischen Union haben neue Anforderungen im Qualifikations- und Bildungsbereich geschaffen, wo dem Humankapital die bedeutendste Rolle zukommt. Diese Strukturveränderung beinhaltet zwar wirtschaftliche Ausganspunkte, wird aber nicht auf den ökonomischen Bereich beschr änkt bleiben, sondern greift auf alle Bereiche der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens über. Es geht hier um einen wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Große Aufmerksamkeit wird den geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Kreativität und Innovationskraft der erwerbstätigen Bevölkerung vor allem des Nachwuchses gewidmet.

Die politische Zielsetzung eines "Europa der Bürger" soll für den einzelnen Bürger im Alltag neue Möglichkeiten der Mobilität und Erfahrungserweiterung im Beruf über die Grenzen hinweg eröffnen. Die Liberalisierung der Wettbewerbsbedingungen des Binnenmarktes dürfte sich nicht nur auf den Industriesektor konzentrieren sondern auch auf die neu geöffneten Dienstleistungs- und Kommunikationsmärkte übergreifen. Das wird den vor sich gehenden Strukturwandel vor allem in den wirtschaftlich weiter fortgeschrittenen Staaten der EU noch beschleunigen. Der wirtschaftliche Vorteil der Staaten in der Union wird noch stärker bei Produkten und Dienstleistungen liegen, für deren Entwicklung, Herstellung und Vermarktung hochentwickeltes Know-how und qualifiziertes Personal Voraussetzungen sind. Zunehmender Anpassungs- und Innovationsdruck dürfte dazu führen, daß der Trend zu höheren Qualifikationsanforderungen zunimmt, und daß sich die Position vor Arbeitskräften ohne erfolgreich abgeschlossene Erstausbildung weiter verschlechtern wird (vgl. Lassahn/Offenbach, 1994, S. 45).

Die Qualifikation und die Bildungspolitik sind ein wichtiger Faktor im Binnenmarkt geworden. Der Binnenmarkt mit seinen hohen Anforderungen wird die Betriebe zwingen, ihren Mitarbeitern rechtzeitig Qualifizierungshilfen zur Anpassung an veränderte Aufgaben zu geben und macht insbesondere zusätzliche Anstrengungen notwendig, daß auch Arbeitnehmer in kleineren und mittleren Betrieben Möglichkeiten zur laufenden Weiterbildung offenstehen. Besondere Aufmerksamkeit bedürfen Erwerbstätige oder bereits Arbeitslose, die in den vergangenen Jahren ohne Schulabschluß und Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt gekommen sind. Sie müssen ihre Bildungsdefizite nachträglich wettmachen und die Kenn tnisse und Fertigkeiten hinzuerwerben, die die Veränderungen in Arbeitsorganisation und Technologie dem einzelnen abverlangen.

Es ist in den Staaten der EU sehr deutlich geworden, daß der vielschichtige Integrationsprozeß ohne aktive Mitwirkung der Bildungspolitik und der beruflichen Aus- und Weiterbildung nicht gelingen kann.

5.1. Stellengesuche aus dem Ausland

Die Wege zu einem Arbeitsplatz sind verschiedene - der einfachste Weg ist, wenn man Bekannte oder Verwandte hat, die dem Suchenden zur Seite stehen. Oder man kann in Arbeitsmarktservice gehen. Andere Möglichkeit sind die Zeitungsannoncen. Das Institut für Stadt- und Regionalforschung (ISR) von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat eine empirische Analyse über Stellensuchende aus dem Ausland erstellt. In dieser Studie vom ISR wurden fast 7000 Stellengesuche aus der Wiener Annoncenzeitschrift "BAZAR" analysiert. Dies geschah im Zeitraum Juli 1990 bis September 1992 in den Donnerstagausgaben dieser Zeitschrift und zwar wurden jene Anzeigen analysiert, bei denen eindeutig erkennbar war, daß sie von Ausländern abgegeben wurden.

5.1.1 Herkunft, demografische Angaben der Stellensuchenden

Tabelle 5.1: Stellengesuche nach nationaler Provenienz

         1990   1991   1992    INSGESAMT
----------------------------------------
POLEN    17,4   22,8   37,5         25,8
EX-CSFR  62,0   36,7   31,6         43,4
UNGARN    9,5   21,5   11,2         15,2
SONSTIGE 11,1   19,0   19,7         15,6

Bei Zeitungsinseraten ergeben sich zwei differierende Strategien: die erste besteht darin, zuerst nach Österreich einzureisen und erst dann einen Arbeitsplatz zu suchen (38,4% der Inseranten), im der zweiten ist es umgekehrt. Zuerst wird ein Arbeitsplatz gesucht, dann erfolgt die Einreise nach Österreich (57,9%). Die Stellengesuche dokumentiere n beide Vorgangsweisen. Besonders hoch ist der Anteil von im Ausland aufgegebenen Stellengesuchen von Menschen aus der Ex-CSFR (91,4%) und aus Ungarn (71,0%), gering bei den Polen (17,9%). Das bestätigt, daß polnische Staatsbürger vergleichsweise mobil sind und die risikoreichere Strategie der Zuwanderung wählen. Bei den Arbeitssuchenden aus d er Ex-CSFR und Ungarn handelt es sich um Pendler, bei den polnischen Arbeitsuchenden geht es um dauerhafte Migration.

Einen interessanten Einblick zeigt uns das unterschiedliche Stellensuchverhalten nach Geschlechtern. Während 75,7% von den Männern ihre Annonce in der Heimat aufgegeben haben, tun dies nur 64,4% der Frauen. Diese befinden sich bereits zu 30,4% in Wien, um sich an Ort und Stelle einen Arbeitsplatz zu suchen.

Ein anderer interessanter Punkt in den Inseraten ist die angegebene Dauer des Arbeitsverhältnisses. Von den Annoncen bezieht sich nur ein Viertel (26,4%) auf Dauerstellen, der Rest der Zuwanderer will ein saisoneles oder in anderer Weise zeitlich limitiertes Beschäftigungsverhältnis eingehen. Die Altersverteilung der Stellensuchenden ist sehr unterschiedlich. Etwa 60% der Suchenden sind jünger als 30 Jahre und nur 10,7% sind älter als 40.

Tabelle 5.2: Demographische Merkmale der Stellensuchenden

ALTER        1990    1991    1992    INSGESAMT
----------------------------------------------
BIS 20        6,3    12,2    13,0         10,7
21-30        51,8    49,5    51,6         50,7
31-40        30,6    27,7    25,4         27,9
41-50         9,9     8,8     8,2          9,0
ab 50         1,4     1,8     1,8          1,7
----------------------------------------------
            100,0   100,0   100,0        100,0
MÄNNER       66,2    58,9    53,4         59,5
FRAUEN       33,8    41,1    46,6         40,5
----------------------------------------------
            100,0   100,0   100,0        100,0

Die Altersstruktur zeigt uns eine geschlechtsspezifische Variabilität. Frauen unter 20 Jahren haben eine überraschend hohe Migrationsbereitschaft (17,9%), dreimal so hoch wie die der genauso alten Männer. Aus der Tabelle 5.2 kann man bei jüngeren Leuten unter 20 Jahren Unterschiede zwischen den Jahren 1990 und 1992 sehen. Diese Unterschiede mani fistieren einen Difusionsprozeß. Erst, als die erste Phase der Difusion auf dem Wiener Arbeitsmarkt im Jahr 1990 erfolgreich war, versuchten auch andere Altersgruppen (besonders jüngere) ausprobierte Wege zu nützten.

Tabelle 5.3: Geschlechterrelation und Altersstruktur nach Nationen

              POLEN   EX-CSFR   UNGARN   SONSTIGE
-------------------------------------------------
MÄNNER         44,3      69,4     57,7       59,5
FRAUEN         55,7      30,6     42,3       40,5
-------------------------------------------------
              100,0     100,0    100,0      100,0
-------------------------------------------------
bis 20          9,2       9,7     17,8        8,7
21-30          52,2      49,1     44,7       59,7
31-40          31,2      29,2     26,0       23,5
41-50           7,7      10,3      9,4        6,1
ab 50           0,7       1,7      2,1        2,0

Aus Tabelle 5.3 ist ersichtlich,daß Frauen aus der Ex-CSFR zur Arbeitsmigration nicht in einem so hohem Maße bereit sind wie die polnischen Frauen. Bei den polnischen Arbeitssuchenden überwiegen deutlich die Frauen, während bei den ex-tschechoslowakischen Suchenden nur ein Drittel Frauen sind. Eine Mögliche Ursache dafür kann die hohe Frauenbe schäftigung in der Ex-CSFR sein.

Die Altersstruktur nach Nationen zeigt, daß Jugendliche unter 20 Jahren aus Ungarn am migrationswilligsten sind. Ab dem 40. Lebensjahr dominieren Arbeitssuchende aus der Ex- CSFR und Ungarn, während Polen, die älter als 40 sind weniger risikieren.

Aus diesen Annoncen und aus den gewonnenen Angaben kann man jedoch keine festen Normen über Stellensuchende definieren - bis auf eine: wer im Ausland annonciert, ist mehrheitlich jung und männlich.

5.1.2. Qualifikation, bisherige und erwünschte Berufstätigkeit

Nur etwa in der Hälfte der Inserate sind Angaben über die im Heimatland ausgeübte Berufstätigkeit und über die Qualifikation vorhanden. Das Qualifikationsspektrum der Migranten ist sehr breit. Von den 512 Maturanten sind 69,1% Absolventen einer AHS, 28,7% von den Maturanten besitzen einen HTL- Abschluß und 2,2% einen HAK- Abschluß. Bei den 34 3 Akademikern dominieren technische Studienrichtungen (48,7%) sowie Sozial- und Geisteswissenschaften (35,5%). Mediziner und Wirtschaftswissenschaftler sind mit 8,2% bzw. 7,7% schwächer vertreten. 29,2% der Migranten geben in ihrem Inserat ein Fachschuldiplom oder einen Lehrabschluß an.

Tabelle 5.4: Bisherige und erwünschte Berufstätigkeit der Stellensuchenden

                                BISHERIGE    ERWÜNSCHTE
-----------------------------------------------------------
Land- u. Forstwirtschaft           2,9           8,0
Baugewerbe                        11,6           5,8
Metallbe- und verarbeitung        13,5           3,6
Elektroberufe                      4,5           0,7
Handel/Verkehr                     5,1           4,8
Hotel-u. Gasgewerbe               11,2          15.1
Haushalt                           1,2          36,4
Techniker                         12,0           2,7
Unterricht/Wissenschaft           18,1           3,0
Büro- u. Verw. Berufe              1,3           1,2
Sonstige                           0,7           0,1
-----------------------------------------------------------
                                 100,0         100,0

Die Arbeitssuchenden möchten sehr selten in demselben Fach arbeiten, in dem sie bisher gearbeitet haben. Sehr gutes Beispiel dafür ist die Arbeit im Haushalt - 1,2% arbeiteten bisher im Haushalt - 30mal so viele würden gern im Haushalt arbeiten. Der Grund dafür sind die geringen Kenntnisse der deutschen Sprache. Nur etwa 20% der Suchenden haben in den Annoncen "gute" Deutschkenntnisse angegeben. 68,1% geben an, ü ber "mäßige" Kenntnisse zu verfügen, nur 7,6% geben an über keine Deutschkenntnisse zu verfügen.

Zurückkehrend zur Tabelle 5.4 ist weiters festzustellen, daß obwohl in den Ländern aus denen die Arbeitssuchenden kommen, der industrielle Bereich hoch vertreten ist, sehen viele von einer weiteren Tätigkeit in diesem Bereich ab, während Dienstleistungsberufe wie Hotel- und Gastgewerde, Gesundheitswesen oder Unterricht/Wissenschaft sehr gefragt zu sein scheinen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, daß, bedingt dadurch, daß nur wenige beim ersten Mal mit ihrem Inserat Glück haben, bei weiteren Versuchen einerseits entweder das Ausbildungsniveau verschwiegen wird oder andererseits zunehmend Hilfstätigkeiten nachgefragt werden, sodaß das Anspruchsniveau nach und nach reduziert wird.

6. Die Frage der Pendler

In der letzten Zeit ist in Europa ein neuer wichtiger Aspekt aufgetreten, bedingt durch die Möglichkeit, daß Menschen aus Osteuropa ihr Herkunftsland nicht nur verlassen, sondern auch dorthin zurückkehren dürften. Dadurch wird dem Mobilitätspotential eine neue Bedeutung verliehen. Wenn die Menschen im "Westen" arbeiten wollen, müssen Sie jetzt nicht unbedingt auswandern. Die Auswanderung ist nur eine der möglichen Reaktionen der Bevölkerung auf wirtschaftliche, politische oder demographische Ungleichgewichte.

Die Gruppe der Menschen die sich als Pendler bezeichnet ist groß, vielfältig und schwer zu kategorisieren. Ihr gemeinsamer Nenner ist die grenzüberschreitende Zirkulation zum Zwecke des Handels oder der Arbeit. Juristisch handelt es sich in der Tat um Touristen - mit oder ohne Visa, je nach Transländern und den Pässen, die diese "Touristen" besitzen. Die Medien stellen die Armut dieser Touristen heraus und den "verdächtigen", "illegalen" Charakter ihrer Aktivitäten. Sie werden als "arme Würschtl" (Der Spiegel 49/1989), "arme Schweine" (Der Spiegel 15/1991) bezeichnet. Auch wenn es vielleicht zu hart ausgedrü ckt erscheint, in finanzieller Hinsicht trifft es sicherlich zu. (vgl. Morokvasic, 1994, S.166-170)

6.1. Das Beispiel der Slowakei

Als Beispiel können wir die Slowakei heranziehen, wo der durchschnittliche Lohn zu Zeit 6339 Slowakische Kronen beträgt (etwa 2185 Schilling), die durchschnittliche Altersrente liegt bei 2852 Kronen (etwa 985 Schilling). Dem gegenüber stehen Ausgaben für z.B. Schuhe (1000 Kronen). Vor allem für junge Menschen, die da durch wenig Zukunfsperspektiven haben, ergeben sich erhebliche Probleme. Viele sehen dadurch im "pendeln" eine sich bietende, reale Möglichkeit den Lebensstandart zu verbessern.

Literatur