STANDORTVERLAGERUNGEN

Auswirkungen der EU-Integration und Ostöffnung auf den Wirtschaftsstandort Wien

Seminararbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung "Wirtschaftliche Probleme der Stadtentwicklung" am Institut für Raumplanung und Regionalentwicklungslehre an der WU-Wien bei

LV-Leiter: Mag.Dr.Gunther MAIER

von

KONVICKA Stephanie
KUTUSOW Gernot
PICHLER Sylvia


Inhaltsverzeichnis


Vorwort

In dieser Seminararbeit wollen wir die wirtschaftlichen Folgen, welche durch den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und durch die politischen Umformungen in unseren östlichen Nachbarländern entstanden, anhand von empirischen Befunden und Praxisbeispielen beleuchten. Dabei werden vor allem Österreich und im speziellem Wien mit Standortverlagerungen konfrontiert, welche sowohl positive, als auch negative Konsequenzen in sich bergen.

Als Einführung werden die wichtigsten Standortfaktoren dargestellt, welche als Entscheidungsträger der Standortwahl dienen. Anschließend wird die Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Veränderungen beleuchtet und die Qualitäten, die für einen Wirtschaftsstandort Österreich sprechen, analysiert.

Den Hauptteil bildet der Bereich der Sachgüterproduktion in Österreich. Hier gehen wir sowohl auf die gesamtösterreichische Industrie, als auch speziell auf Wien ein. Das erwähnte Fallbeispiel bezieht sich auf ein Unternehmen, das sich ca. 20 km südlich von Wien befindet.

Abschließend werden jene Branchen aufgelistet, die vom Ostexport profitieren, und die daraus resultierenden Veränderungen im Bereich des Wirtschaftsverkehrs.

Standortfaktoren als Determinanten der Standortwahl

Wenn ein Unternehmen mit der Verlagerung von vorhandenen sowie der Errichtung neuer Produktionsstätten konfrontiert wird, gibt es einige Faktoren, die dabei Berücksichtigung finden sollten.

"Die Verfügbarkeit und der Zugang zu den Inputfaktoren ist in der Regel räumlich differenziert. Dies betrifft sowohl die klassischen Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital als auch natürliche Ressourcen, sowie den Bereich Know How und Technologie.

Auf der Outputseite ist der Zugang zu den relevanten Märkten und Abnehmern meist räumlich verschieden ausgeprägt, weil Haushalte, Betriebe aber auch öffentliche Auftraggeber an bestimmten Standorten konzentriert sind. Eine solche räumliche Differenzierung der Märkte ist insbesondere im Fall von Gütern mit geringeren Reichweiten relevant.

Schließlich gibt es Faktoren, die sowohl auf der Input- als auch auf der Outputseite wirksam sein können. Hierzu zählt ein großer Teil der Infrastruktur, die als öffentliches Gut zumeist vom Staat zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus wirken auch Agglomerationsvorteile, also Vorteile, die aus der Dichte von Aktivitäten resultieren, sowohl input- als auch outputseitig." (Maier, G., Tödtling, F., 1992, S. 39)

Die Bedeutung der Standortfaktoren unterliegt einer Veränderung, die mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel sowie der Einführung von neuen Produktions-, Transport- und Kommunikationstechniken zusammenhängt.

Für Industriebetriebe sind die Rohstoffnähe und die Transportkosten ein entscheidender Faktor. Außerdem nimmt die industrielle Arbeitsteilung zwischen und innerhalb von Branchen zu. Die Transportkosten werden verringert durch eine Verbesserung des Verkehrssystems. Die Entstehung großer Mehrbetriebsunternehmen sowie der Ausbau des Kommunikationswesens ermöglicht eine räumliche Trennung von Management und Produktion. "Betriebe der Produktion wurden daher von den früheren Standorterfordernissen befreit. In vielen Industrien bewirkte die stärkere Orientierung am Faktor Arbeitskraft eine räumliche Dekonzentration in ländliche Gebiete." (Maier G., Tödtling F., 1992, S.43). Durch die Ostöffnung streben viele Betriebe dazu, die, durch hohe Lohnkosten verursachte, teure Produktion in die sogenannten Billiglohnländer des ehemaligen Ostblocks auszulagern.

Die Bedeutung der Westintegration und Ostöffnung für Österreich

Österreich wird aufgrund seiner geographischen Lage oftmals als Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa bezeichnet. Die zentrale Lage und der EU-Beitritt Österreichs sind ausschlaggebende Kriterien für die größere Attraktivität Österreichs als Investitionsstandort. Der Standort Österreich wird aufgewertet. Österreich ist weiters durch die Ostöffnung aus einer geographischen Randlage in die Mitte eines wirtschaftlich und politisch zusammenwachsenden Raumes gerückt. Es ist anzunehmen, daß die Osterweiterung der EU möglicherweise die Standort-attraktivität Österreichs weiter erhöhen wird.

Laut Jan Stankovsky umfaßt die Beziehung Österreichs zu Osteuropa zwei Bereiche:

die Mittlerfunktion zwischen Ost und West sowie die grundlegend neuen Bedingungen für die internationale Arbeitsteilung. Jan Stankovsky meint weiters, daß die "systembedingten" Grundlagen für die Mittlerrolle Österreichs zwischen Ost und West mit der Wirtschaftsliberalisierung sowie dem Aufbau funktionierender Institutionen und Infrastrukturen in Osteuropa schrittweise verloren gehen wird. Hingegen werden die geographischen und historisch gewachsenen Vorteile des Standortes Österreich weiterhin bestehen bleiben. Sie sind die Ursache dafür, daß zahlreiche westliche Unternehmen, darunter auch große multinationale Firmen, in der jüngeren Vergangenheit ihre Osteuropazentrale nach Österreich verlegt haben.(Jan Stankovsky, 1993, p. 7)

Um in dieser Funktion weiter fungieren zu können muß Österreich zukünftig neue Standortfunktionen aufbauen und bestehende Hemmnisse beseitigen.

Standortpolitik schließt nicht nur Infrastruktur (Ausbildung, Arbeitsvermittlung, Wohnungen und Freizeiteinrichtungen, Transportkapazitäten und Telekommunikation), sondern auch leistungsfähige und praxisnahe öffentliche Dienste (Information, Anlagengenehmigungsverfahren) ein. Weiters könnte die österreichische Wirtschaftspolitik einen wichtigen Beitrag leisten z.B. durch steuerliche Erleichterungen oder durch eine Verbesserung der Transportkapazitäten. Eine Überprüfung des Steuerrechts in Bezug auf Unternehmensbesteuerung, um strukturpolitische Zielvorstellungen zu erleichtern, erscheint angezeigt. Weitere Belastungen der Unternehmen durch Anhebung der Sozialbeiträge und anderen Lohnnebenkosten erscheinen unter dem Gesichtspunkt eines internationalen Standortwettbewerbs wenig wünschenswert.

Es ist nicht zu übersehen, daß Österreich im Westen(Berlin) als auch im Osten (Budapest, Prag) Konkurrenz bekommt. In der Einschätzung, durch internationale Unternehmen zum Beispiel erscheint der Raum Wien bisher trotz der Öffnung Ost-Mitteleuropas leider nur als zweitklassig attraktiv. Entwicklungspotential ist hier, an der durch den Reihn-Main-Donaukanal wertvoller gewordenen Donauachse, in der Nähe des ausgebauten internationalen Flughafens und an der Südbahnlinie bis in den Raum Wiener Neustadt erschließbar.

Ein vielversprechender Ansatz ist jedoch der Aufbau von Niederlassungen österreichischer Banken, produktionsnaher Dienstleistungen und des Handels in den benachbarten Oststaaten, mit denen in Österreich ein neues, leistungs-fähigeres Angebot an Informations und Vermittlungsdiensten geschaffen wird.

Der zweite wichtige Bereich des Standortpotentials Österreichs betrifft laut Jan Stankovsky die optimale Nutzung der neuen Bedingungen für die internationale Arbeitsteilung mit Osteuropa. "Österreichs Unternehmen haben sich den neuen Bedingungen in Osteuropa überwiegend hervorragend angepaßt. Dies bezeugen die hohen Exportsteigerungen".(Jan Stankovsky, 1993, p.7 ) Weiters ist er der Überzeugung, daß aus einer längerfristigen Perspektive die Chancen zur aktiven Internationalisierung in Osteuropa durch Direktinvestitionen und anderen Formen der Unternehmenszusammenartbeit noch positiver zu beurteilen ist. Österreich ist in Osteuropa besonders stark im Dienstleistungssektor und in der Bauwirtschaft engagiert und in der Industrie eher an kleineren und mittleren Unternehmen beteiligt. Im Vordergrund steht das Engagement von Banken, des Einzelhandels sowie der produktionsnahen Dienstleistungen. Österreichische Niedriglohnfertigungen wie zum Beispiel die Bekleidungs und Schuhindustrie reagieren auf den Wettbewerb aus dem Osten mit einer aktiven Strategie, indem sie die Fertigung (passiver Veredelungsverkehr) nach Osteuropa verlagern und andere Unternehmensfunktionen (Marketing, Design) stärker ausweiten.

Österreichs Standortqualitäten für aktive und passive Direktinvestitionen

Österreichs Standortattraktivität für ausländische Direktinvestitionen hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die EU-Mitgliedschaft ist ein Grund dafür, daß die Attraktivität noch weiter steigen wird. Damit ist eine weitere Steigerung der österreichischen Direktinvestitionen-Marktanteile aus der OECD in den nächsten Jahren wahrscheinlich, vor allem wenn auch das kompetitive Umfeld in Österreich weiter geöffnet wird. Darüber hinaus hat eine Reihe von ausländischen Firmen Österreich dazu benutzt, hier für ihre Expansion in die ost-mitteleuropäischen Reformländer Headquarters zu errichten . Damit wird Österreichs Fähigkeit, Standort nicht nur für Produktions-und Vertriebsaktivitäten, sondern für gesamte Unternehmens-Headquarters zu werden, gestärkt. Gerade durch solche ausländischen Ansiedelungen in Österreich, welche Österreich als Brückenkopf für Aktivitäten in Ost-Mitteleuropa nutzen, wird die Bedeutung der integrierten Betrachtung hereinkommender und hinausgehender Direktinvestitionen für die Internationalisierung des Standortes Österreich unterstrichen. Seit dem EU-Beitritt ist Österreich für die Schweizer Wirtschaft ein noch attraktiverer Boden.

Jürg Schweri, Generalsekretär der Schweizerischen Handelskammer in Österreich, erwartet bis Jahresende (1995) fünfzig Schweizer Firmen, die nach Österreich kommen werden. Jürg Schweri ist davon überzeugt, da sich jetzt noch mindestens fünf Jahre lang keine Gelegenheit bietet das Schweizer "Nein" zum gemeinsamen Europa zu revidieren. Da kommt ein Standbein in Österreich gerade recht. Derzeit behelfen sich Schweizer Unternehmen mit Abkommen, wie sie früher zwischen EG und EFTA geschlossen wurden. Jürg Berger, Direktor der Österreichischen Niederlassung des Schweizerischen Bankvereins meint, daß Österreich ein in jeder Beziehung berechenbares Land ist. "Geringe Inflations- und Arbeitslosenrate, gut ausgebildete Arbeitskräfte die sich auch noch willig führen lassen." (Jürg Berger, 1995, p. 19) Weiters erwähnt er die zwanzig Prozent niedrigeren Löhne als in der Schweiz, ein positives Wirtschaftswachstum und zuletzt die guten Beziehungen zu den Reformstaaten. 1993 beliefen sich die Direktinvestitionen von Schweizer Firmen in Österreich auf 11,3 Milliarden Schilling; das sind zwanzig Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Österreich.

Investitionsboom in Österreich -weitere Beispiele für die Standortwahl Österreich

  1. Der niederländische Elektronik-Konzern Philips wird eine Milliardeninvestition für PC-Bildröhren in der Steiermark (Lebring) tätigen.
    Der Grund der Wahl Österreich, neben anderen Standorten wie Großbrittanien oder Fernost, war für den Konzern der, daß er eine EU- konforme Förderung erhielt, und daß eine Rahmenbedingung mit dem Betriebsrat über flexible Arbeitszeiten vereinbart werden konnte (Es darf 7 Tage pro Woche gearbeitet werden).
  2. Die Voest wird bis 1997 10 Milliarden Schilling investieren.
  3. Opel baut sein Werk in Wien um 7 Milliarden Schilling aus.
  4. BMW plant eine 5 Milliarden Schilling Investition in sein Werk in Oberösterreich.
  5. KNP hat sich entschieden, 6,5 Milliarden Schilling in eine Papiermaschine in der Steiermark (Gratkorn) zu investieren.
  6. Siemens baut sein Werk in Villach für 3,5 Milliarden Schilling aus.
  7. Chemie - La Roche plant 2-3 Milliarden Schilling im Linzer Raum zu investieren.
  8. Die Lenzing AG Chemiefaser hat eine neue Anlage im Burgenland um 1,7 Milliarden Schilling angeschafft und 1 Milliarde Schilling in das Linzer Werk investiert.

Insgesamt werden in Österreich also, laut einer Statistik im Bundeskanzleramt, in den nächsten 2 Jahren 45-60 Milliarden Schilling investiert. Eine interessante Erkenntnis daraus ist, daß nicht nur große , sondern auch kleine und mittlere Betriebe Investitionsvorhaben tätigen.

Ein Grund dafür ist der EU-Beitritt Österreichs, aber auch zum Beispiel, daß die oberösterreichische Landesregierung alle Genehmigungen (BMW - Werk) in Rekordzeit besorgte, also mit einem Wort, daß die Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen sind.

Regionale Unterschiede in der Betroffenheit durch die Ostöffnung

Als bedroht durch die Ostöffnung gelten jene Bereiche, bei denen Ost- Mitteleuropa zumindest kurzfristig Standort- und Wettbewerbsvorteile hat;

Einerseits relativ einfache Massenproduktionen mit hohem Arbeitskostenanteil (Bekleidung, Schuhe) und relativ einfache standardisierte technische Verarbeitungsprodukte, andererseits solche Massenprodukte die sehr kapitalintensiv erzeugt werden und die Kapital-, Energieinput- und Transportkosten noch nicht dem Weltmarktpreisniveau entsprechen.

Diese Produkte werden fast ausschließlich sehr umweltintensiv erzeugt (hohe Energiekosten, hohe Umweltemissionen) und zusätzlich spielen bei solchen Produkten Qualitätsunterschiede nur eine geringe Rolle.

In der Sachgüterproduktion wird erwartet, daß osteuropäische Länder die genannten Vorteile vor allem in drei Bereichen lukrieren können: bei arbeitsintensiven Produktionen im niedrig- technologischen Bereich, bei kapitalintensiven Produktionen mit einem hohen Anteil an Energie und Rohstoffinput und zumindest mittelfristig bei humankapitalintensiven Produktionen, bei denen mobile mittlere Technologien angewendet werden.

Franz Ceska, Generalsekretär der Industriellenvereinigung meint, daß die Industrie in der Auslagerung von Kapital und Produktion sehr mobil geworden ist, außerdem würden zu viele Produkte erzeugt, die in Konkurrenz zu Niedriglohnländern stünden. Dennoch hofft Franz Ceska, daß die Entscheidungszentralen in Österreich bleiben werden. Seiner Ansicht nach liegt Österreichs unüberschätzbarer Vorteil in der Qualität und Qualifikation seiner Fachleute. Weiters meint der Generalsekretär, daß die österreichische Regierung den Industriestandort attraktiver machen sollte; derzeit seien etwa die Arbeitskosten zu hoch. "Die logische Konsequenz: wenn der Druck zu groß wird, lagern die Unternehmer aus, oder sie rationalisieren, was in fast allen Bereichen möglich ist." (Franz Ceska ,1995, p.2)

Eine empirische Untersuchung der österreichischen Sachgüterproduktion

Die Untersuchung soll die Effekte der Ostöffnung auf die Sachgüterproduktion im Westen und damit auch regionale Unterschiede der potentiellen Betroffenheit in Österreich darlegen. Ziel der Untersuchung ist es jene Regionen zu identifizieren, deren Sachgüterproduktion entweder auf besonders positiv oder besonders negativ betroffene Branchen spezialisiert ist.

Potentiell von der Ostöffnung betroffene Bereiche der österreichischen Sachgüterproduktion sind lohnkostensensible, energiekostensensible und ostexportprofitiererende Branchen. Durch die Ostöffnung ist zu beobachten, daß die bisherige räumliche Arbeitsteilung durch das Hinzutreten neuer Standorte mit ihrer spezifischen Faktorausstattung verändert wird und Verschiebungen in standörtlichen Produktionsmustern und den Handelsbeziehungen erfolgen.

Die Integration Osteuropas in die kapitalistische Weltwirtschaft bringt Stillegungen von am Weltmarkt nicht wettbewerbsfähigen Produktionen in osteuropäischen Standorten mit sich, aber sie bedeutet auch Konsequenzen für das Produktionsmuster in Westeuropa.

Ökonomische Effekte der geänderten Arbeitsteilung:

  1. Zusätzliche Konkurrenz auf heimischen und internationalen Märkten durch Produkte aus Osteuropa. (arbeitsintensive, mit standardisierter bzw. mobiler mittlerer Technologie, aus umweltintensiver Produktion im Niedrig- Technologie- Segment und aus landwirtschaftlichen Produktionen)

  2. Zusätzliche Absatzpotientiale für österreichische Produkte durch räumliche Markterweiterung nach Osteuropa. (Qualitativ hochwertige Konsum- Investitionsgüter und Vorprodukte)

  3. Zusätzliche Möglichkeiten der Arbeitskostensenkung für österreichische Unternehmen durch Einstellung von qualifizierten und billigen

    Arbeitsimigranten/ Pendlern aus Osteuropa.

  4. Zusätzliche Möglichkeiten der räumlichen Arbeitsteilung durch die Nutzung kooperativer Ausstattungsvorteile in Osteuropa durch österreichische Unternehmen (Bezug oder Produktion von arbeits- oder umweltsintensiver Güter im niedrigtechnologischen Bereich). Die Vertiefung der räumlichen Arbeitsteilung kann sich durch die Übernahme oder Neuerrichtung von Produktionsstandorten in Osteuropa, in Form von passivem Veredelungsverkehr sowie in verstärktem Import von Vorprodukten äußern.

  5. Zusätzliche Attraktivität des Standortes Österreich für ausländische Investoren, die im Rahmen vertikaler Arbeitsteilung die kooperativen Vorteile der Faktor- und Bezugsmärkte in Österreich > und Osteuropa nutzen (Passiver Veredelungsverkehr) und gleichzeitig auf west- und osteuropäischen Märkten Skalenerträge lukrieren können.

Potentiell negativ betroffene Segmente der österreichische Sachgüterproduktion sind lohnkosten- und energiekostensensible Branchen.

Als Lohnkostensensible Branchen werden diejenigen bezeichnet, die im niedrigtechnologischen Bereich angesiedelt sind und ein ungünstiges Verhältnis von Arbeitskosten zur Arbeitsproduktivität aufweisen.

Energiekostensensible Branchen sind jene, die einen überdurchschnittlich hohen Energieeinsatz bei der Produktion aufweisen.

Als potentiell positiv betroffene Segmente der österreichischen Sachgüterproduktion werden die ostexportprofitierenden Branchen bezeichnet, jene die eine positive Entwicklung der Exporte in osteuropäische Reformstaaten aufweisen. Diese werden im Abschnitt "Ostexportprofitierende Branchen" behandelt.

Lohnkostensensible Branchen

Arbeitskosten und Arbeitsproduktivität Osteuropäischer Länder weisen erhebliche Lohnstückkostenvorteile gegenüber Österreich auf. Bei durchschnittlichen Lohnkosten in der Industrie (zwischen 5 und 10% der österreichischen) beträgt, aufgrund der ebenfalls wesentlich geringeren Produktivität, der Lohnstückkostenvorteil zwischen 35 und 50%. (Lohnstückkostenvorteile variieren je nach Branche und Land).

Es ist dennoch zu erwarten, daß Investitionen westlicher Unternehmen, die teilweise neue Produktionstechnologien bzw. Produktionsorganisationen einführen, zu einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität führen wird. Da die Löhne aber längerfristig voraussichtlich nur mit der durchschnittlichen, gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszunahme steigen werden, bieten sich für Investoren in diesem Bereich bedeutende Lohnstückkostenvorteile. Da Lohnstückkosten aber nur ein Indikator für preisliche und nicht für qualitative Wettbewerbsfähigkeit sind, sollten auch produktionsrelevante Rahmenbedingungen wie Infrastruktur, Kommunikation, Rechtssystem, Finanz und Steuersystem, Versicherung, Sicherheit und Kooperation mit Behörden berücksichtigt werden, bei denen Osteuropa gravierende Standortnachteile aufweist.

Lohnkostensensible Branchen sind jene Branchen deren Produktion einerseits auf standardisierten Technologien unter Einsatz vorwiegend "einfacher",wenig qualifizierter Arbeit beruht und die andererseits eine schlechte preisliche Wettbewerbsfähigkeit aufweisen, und die daher durch die lohnkostengünstigeren Standorte im Osten eine verschärfte Konkurrenz zu erwarten haben. Betroffen sind also jene Produktionen in späten Produktionszyklusphasen, bei denen eine Produktivitätssteigerung durch technische Rationalisierung entweder nur schwer möglich oder nicht rentabel ist. Lohnkostengünstigere Branchen können daher als räumlich sehr mobile Branchen betrachtet werden.

Die empirische Bestimmung lohnkostensensibler Branchen erfolgt auf der Ebene der Dreisteller der Betriebssystematik- Klassifikation (insgesamt 95 Branchen) anhand von zwei Indikatoren, nämlich dem durchschnittlichen Lohnniveau (LN) in einer Branche und dem als Lohnstückkostenindikator (LSK) herangezogenen Verhältnis von Lohnniveau und Arbeitsproduktivität:

LN= W/ L

LSK= (W/L)/(Y/L)= W/Y

wobei W gesamter Personalaufwand

L Anzahl der unselbständig Beschäftigten

Y Wertschöpfung (Nettoproduktionswert)

(Die Messung der drei Variablen W, L und Y erfolgte für die Industrie für das Jahr 1991/ Helmut Gassler, Christian Rammer ,1995, p.18)

Als lohnkostensensibel wurden diejenigen Branchen bezeichnet, die erstens Lohnstückkosten von mindestens 10% über dem Industriedurchschnitt und zweitens ein Lohnniveau von mindestens 5% unter dem Industriedurchschnitt aufweisen. Auf Grund der niedrigen Schwellenwerte wurde eine relativ große Anzahl an Branchen als potentiell gefährdet identifiziert, wobei das Ausmaß der

Gefährdung nicht für jede Branche gleich ist. Für die Abbildung 1 gilt, daß eine Branche als potentiell umso gefährdeter betrachtet wird, je weiter rechts oben sie sich befindet.

In Abbildung 1 ist zu sehen, daß die Bekleidungs-, Textil - und Lederindustrie am lohnkostensensibelsten sind. Weiters ist zu beobachten, daß alle Branchen der

Gruppe 59 der Betriebssystematik (Erzeugung von feinmechanischen und medizinisch-optischen Geräten ) und einige Bereiche der metallverarbeitenden

Industrie als potentiell gefährdet identifiziert werden. Insgesamt befanden sich 1991 in den angeführten Branchen ca. 22% aller Arbeitsplätze der Sachgüterproduktion Österreichs.

Abb.1: lohnkostensensible Branchen 1991 (135k)

Energiekostensensible Branchen

Osteuropäische Standorte haben neben Lohnkostenvorteilen auch komparative Vorteile bei dem Produktionsfaktor "Umwelt" zu bieten, die einerseits in niedrigeren Energiepreisen und Transportkosten, andererseits aber auch in weniger rigiden Umweltvorschriften und einem geringeren Widerstand seitens der Bevölkerung und der lokalen Politik gegen industrielle Umweltbeeinträchtigungen begründet liegen.

Wichtige Energieträger, wie z.B. Kohle, Strom, Gas und Heizöl sind in Polen oder in der ehemaligen Tschechoslowakei wesentlich günstiger als in Österreich, während nur der Energieträger Kohle deutliche Preisvorteile aufweist.

Der oftmals schlechtere räumliche Marktzugang, der bei energieintensiven Produktionen aufgrund des meist auch relativ hohem Transportaufwands einen Wettbewerbsnachteil darstellt, wird durch vergleichsweise niedrigere Transportkosten kompensiert.

Wenn man davon ausgeht, daß diese Rahmenbedingungen in Osteuropa zumindest mittelfristig weiterbestehen und Umweltvorschriften in Österreich nicht liberalisiert werden, dann haben osteuropäische Standorte bei umweltintensiven Produktionen Wettbewerbsvorteile gegenüber Österreich.

Unternehmen mit hohem Energieaufwand gehören in der Regel zu den umweltintensivsten Sektoren, und Kostenvorteile im Transportwesen beruhen ebenfalls auf geringen Energie- und Umweltkosten, so daß man vereinfachend annehmen kann, daß im weiteren Sinn auch die Bedeutung dieser beiden Faktoren nährungsweise durch die Energieintensität der Branche, für die statistische Daten vorhanden sind, mitrepräsentiert wird. Es wird also die Energieintensität der Produktion als Indikator für "umweltkostengefährdete" Produktionen herangezogen. Diese als energiekostensensible Branchen bezeichneten Segmente der Sachgüterproduktion werden auf Basis von zwei Indikatoren zur Energieintensität einer Branche identifiziert.

Der eine Indikator mißt den Energieaufwand im Verhältnis zum Output als Anteil des monetären Aufwandes für Energie an der Wertschöpfung, während der zweite Indikator den Energieaufwand im Verhältnis zu anderen Inputfaktoren als monetärer Aufwand für Energie je unselbständig Beschäftigten mißt.

Durch osteuropäische Standorte potentiell gefährdeter Branchen sind jene, die bei zumindest einem der beiden Indikatoren einen im Vergleich zur Gesamtindustrie überdurchschnittlich hohen Energieeinsatz (egal welcher Energieträger) aufweisen; diese werden als energiekostensensibel bezeichnet. Die Messung der beiden Indikatoren erfolgte für die Industrie im Jahr 1991.

Unter Anwendung dieses Filters, erwiesen sich vor allem die Bereiche der traditionellen Grundstoffindustrie( Stahl-, Zement-, Kalk-, Papier-, NE-Metall-, Ziegel- und Magnesiterzeugung) als gefährdet. Unter den identifizierten Branchen finden sich auch die chemische Grundstoffindustrie; Erdöl- und Kohleverarbeitung, Erzeugung von chemischen Grundstoffen, Kunststoffen und Dünger, aber auch die Zucker und Milcherzeugung sowie die Holzplattenerzeugung.

Ebenfalls als energiekostensensibel wurden noch die Eisen- und Nichteisen- Metallgießerei und die Erzeugung von Garnen und Geweben aus Seide herausgefiltert, die beide auch als lohnkostensensibel identifiziert wurden. Sie wiesen aber jeweils nur eine relativ geringe Energieintensität auf.

Die identifizierten Branchen sind in Abbildung 2 dargestellt; es handelt sich um stark Skalenertragsorientierte, kapitalintensive Produktionen, die auf Wettbewerbsverschärfungen -im Gegensatz zu lohnkostensensiblen Branchen- leichter durch technische Rationalisierungen reagieren können.

Insgesamt befanden sich rund 13% aller Arbeitsplätze in der österreichischen Sachgüterproduktion in energiekostensensiblen Branchen.

Abb.2: energiekostensensible Branchen 1991 (75k)

Anpassungsbedarf der Wiener Wirtschaftsstruktur hinsichtlich der EU-Integration

Durch die Beseitigung von nicht - tarifären Handelshemmnissen im Zuge der EU - Integration werden österreichische Wirtschaftssektoren und Unternehmen verstärkter internationaler Konkurrenz ausgeliefert. Dabei sind die "sensiblen" Sektoren die am stärksten betroffenen; sie standen den Handelshemmnissen bisher durch technische und materielle Schranken gegenüber.

Um die Wettbewerbsfähigkeit dieser "sensiblen" Sektoren messen zu können, wird einerseits die Außenhandelsstärke, andererseits betriebsspezifische Kennzahlen als Meßfaktoren herangezogen. Im Folgenden werden wir von "externer" bzw. "interner Performance" sprechen.

Diese Untersuchungen stützen sich auf Erhebungen von Bayer (1991) und Daten des ÖSTAT (1988) und Berechnungen von Mayerhofer (1992) .

Externe Performance sensibler Sektoren der Wiener Sachgüterproduktion

In Tabelle 1 ist zu erkennen, welche Bereiche der sensiblen Sektoren einen relativ hohen regionalen Anteil an der Wiener Beschäftigung aufweisen : Diese sind die Sektoren der Elektrobranche und der chemischen Industrie, der Nahrungs - und Genußmittelindustrie als auch Teile der Maschinenbauindustrie. Die dabei verwendeten Indikatoren lassen sich wie folgt beschreiben : Externe Performance (Wettbewerbsstärke im Außenhandel) wird durch eine hohe Export-Import-Relation im Handel Österreich- EU (X/MEG)[1] sowie im Handel Österreich- Nicht- EU (X/MNEG) angezeigt, als auch dadurch, daß Österreichs Wirtschaft auf die Erzeugnisse des entsprechenden Sektors im Export im Vergleich zum EU-Durchschnitt stärker spezialisiert ist (SX)[2]

Tabelle 1 : Beurteilung der statischen externen Wettbewerbsfähigkeit

[3]

Sektor                     Anteil Wien  LQ   X/M(EG) X/M(NEG)  SX     Summe

Eisen und Stahl                 0,38     8,2     1       1       1       3
Feinkeramische Waren            0,27    62,9    -1      -1      -1      -3
Chemische Grundstoffe           0,37    23,6    -1      -1      -1      -3
Übrige chem. Endprod.           0,53    92,3    -1      -1      -1      -3
Pharma                          3,13   284,8    -1       0       1       0
Metallmöbel                     1,17    42,2    -1       1       1       1
Landwirtsch. Maschinen          0,07     7,1    -1       1       1       1
Bergbaumaschinen                0,88    32,6    -1       1       1       1
Papier-,Büromaschinen            0,1    27,6    -1      -1      -1      -3
Fernmeldegeräte                 3,65   260,7    -1      -1      -1      -3
Radio-,TV-Geräte                6,55   265,4    -1      -1       0      -2
E-Haushaltsgeräte               0,28    39,5    -1       1       0       0
Schiffe                            0       0    -1       1       1       1
Schienenfzg.                    1,54   243,8    -1       0      -1      -2
Med. Geräte                     0,38   222,7    -1      -1      -1      -3
Übrige Nahrungsmittel           2,32   143,1    -1      -1      -1      -3
Fleisch,- produkte              3,06   143,1     1      -1      -1      -1
Molkereiprod.                   1,18    89,9     1       1      -1       1
Obst-,Gemüseprod.               0,03    14,1    -1      -1      -1      -3
Mahlprod.                       0,06    26,8    -1      -1      -1      -3
Back-,Zuckerbäckerwaren         3,79   220,4    -1       1       0       0
Zucker                          0,07    27,2     1      -1      -1      -1
Schokolade- u. Zuckerwaren      1,14   242,5    -1       1      -1      -1
Futtermittel                       .       .    -1      -1      -1      -3
Alkoholische Getränke              1   226,3    -1      -1      -1      -3
Bier                            0,52    48,7    -1       1      -1      -1
Nichtalkohol. Getränke          0,86   178,4     1       1       1       3
Tabak                           0,39   176,5    -1       1      -1      -1
Garne, Gewebe                   0,32    29,4    -1      -1       1      -1
Wirk-, Strickwaren              0,25    13,9    -1       1       0       0
Teppiche, Möbelstoffe           0,12    48,6    -1      -1      -1      -3
Übrige Textilien                 0,4    42,1     1       1       1       3
Leder,-waren                    0,57   136,2    -1       0       1       0
Schuhe                           0,1     6,2    -1       1       1       1
Wäsche, Bekleidung              2,44    57,2    -1      -1       1      -1
KFZ-Reifen                      0,01     2,1    -1       1      -1      -1
Sport-,Spielwaren                0,4    34,8     1       1      -1       1



Bayer (1991) benotet jeden Sektor nach diesen drei Indikatoren, indem er ihm eine -1 zuordnet, wenn der Indexwert weniger als 90 ergibt, eine 0 für Indexwerte zwischen 90 und 110 und eine +1 für deutliche Indexüberschreitungen (über 110).Als Summe der Teilbenotungen erhält man so einen "Gesamtindex externer Wettbewerbsfähigkeit", welcher zwischen -3 und +3 liegen kann.

Wie man in Tabelle 1 erkennen kann, ist die externe Performance in den meisten sensiblen Sektoren Wiens kaum oder nicht vorhanden. Von den beschäftigungsstarken Bereichen besitzen nur der Pharmabereich (Gesamtbewertung 0) und der Bereich der Erzeugung von Back- und Zuckerbäckerwaren ein wettbewerbsfähiges Ergebnis. Die übrigen Sektoren, welche ihren Beschäftigungsschwerpunkt in Wien haben, sind durchwegs im Außenhandel als nicht kompetitiv anzusehen. Dafür verfügen stark wettbewerbsfähige Branchen wie "Eisen und Stahl" oder "übrige Textilien" oft nur sehr geringe Beschäftigungsanteile in Wien.Nachdem wir nun den statischen Aspekt der externen Wettbewerbsfähigkeit beleuchtet haben, wollen wir uns im folgenden der für das Erkennen der zeitlichen Entwicklung wichtigeren dynamischen externen Performance widmen. Darunter ist die Veränderung der Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel in einer gewissen Zeitspanne zu verstehen.

Betrachtet man Tabelle 2, dann bemerkt man sofort die Unterschiede zu Tabelle 1, also die Differenzen zwischen statischer und dynamischer externer Performance[4]. Es sind die Branchen der Verarbeitung technologisch höherwertiger Produkte wie im Bereich der Pharmaka, der Elektrohaushaltsgeräte, der Schienenfahrzeuge als auch der medizinischen Geräte, welche ihre externe Performance verbessern konnten. Im Gegensatz dazu mußten die Wirtschaftszweige der traditionellen Industrieprodukte wie Schuhe, Wirk- und Strickwaren oder Teile der Nahrungsmittelproduktion Rückgänge in ihrer Wettbewerbsfähigkeit hinnehmen. Nach einer Korrelationsanalyse von Mayerhofer (1992) ist zu erkennen, daß sensible Sektoren mit schwacher Wettbewerbsfähigkeit ihre Performance im Zeitabschnitt

Tabelle 2 : Beurteilung der dynamischen externen Wettbewerbsfähigkeit

[5]

Sektor                     Anteil Wien  LQ  dX/M(EG) dX/M(NEG) dSX    Summe

Eisen und Stahl                 0,38     8,2    1       1       0       2
Feinkeramische Waren            0,27    62,9    0       1       0       1
Chemische Grundstoffe           0,37    23,6    1       1       0       2
Übrige chem. Endprod.           0,53    92,3    1       1      -1       1
Pharma                          3,13   284,8    1       1       1       3
Metallmöbel                     1,17    42,2   -1      -1       1      -1
Landwirtsch. Maschinen          0,07     7,1    1       0       0       1
Bergbaumaschinen                0,88    32,6    0      -1      -1      -2
Papier-,Büromaschinen           0,1     27,6    0      -1      -1      -2
Fernmeldegeräte                 3,65   260,7    1      -1       1       1
Radio-,TV-Geräte                6,55   265,4    1       0      -1       0
E-Haushaltsgeräte               0,28    39,5    1       1       1       3
Schiffe                            0       0   -1       1       1       1
Schienenfzg.                    1,54   243,8    0       1       1       2
Med. Geräte                     0,38   222,7    0       1       1       2
Übrige Nahrungsmittel           2,32     143    0       1       1       2
Fleisch,- produkte              3,06     143    1       0       1       2
Molkereiprod.                   1,18    89,9   -1      -1      -1      -3
Obst-,Gemüseprod.               0,03    14,1    1       1       1       3
Mahlprod.                       0,06    26,8    1       1      -1       1
Back-,Zuckerbäckerwaren         3,79   220,4   -1      -1      -1      -3
Zucker                          0,07    27,2    1      -1      -1      -1
Schokolade- u. Zuckerwaren      1,14   242,5    1       1       1       3
Futtermittel                       .       .   -1      -1      -1      -3
Alkoholische Getränke              1   226,3    0      -1       0      -1
Bier                            0,52    48,7   -1      -1      -1      -3
Nichtalkohol. Getränke          0,86   178,4    1      -1      -1      -1
Tabak                           0,39   176,5    0      -1       0      -1
Garne, Gewebe                   0,32    29,4    1       0      -1       0
Wirk-, Strickwaren              0,25    13,9   -1      -1      -1      -3
Teppiche, Möbelstoffe           0,12    48,6    0       0      -1      -1
Übrige Textilien                0,41    42,1    1      -1      -1      -1
Leder,-waren                    0,57   136,2    1       1       1       3
Schuhe                          0,11     6,2   -1      -1      -1      -3
Wäsche, Bekleidung              2,44    57,2    0       0      -1      -1
KFZ-Reifen                      0,01     2,1   -1      -1      -1      -3
Sport-,Spielwaren               0,41    34,8    1       1       1       3

von 1981 bis 1991 leicht verbessern konnten, während vergleichsweise wettbewerbsstarke Sektoren stagnierten oder Rückgänge verzeichnen mußten. Da die Betrachtung der externen Performance noch nicht genug Aussagen darüber liefert wie wettbewerbsfähig die einzelnen Sektoren der Wiener Sachgüterproduktion sind, werden wir uns im nächsten Abschnitt mit den Kennzahlen der internen Effizienz sensibler Sektoren auseinandersetzen.

Interne Performance sensibler Sektoren der Wiener Sachgüterproduktion

Bei dieser Analyse beziehen wir uns auf die von Bayer (1991) aufgestellte "Österreich-Liste" sensibler Industriesektoren, bei deren Konstruktion Bewertungen zu Stärke und Existenz nicht- tarifärer Handelshemmnisse Verwendung fanden, die durch Experten von Bundeskammer der Gewerblichen Wirtschaft, Arbeiterkammer, Wirtschaftsministerium und WIFO erstellt wurden. Diesen Sektoren wurden jene hinzugefügt, welche in Österreich durch ihre Eigentumsverhältnisse unter starkem öffentlichen Einfluß stehen und/oder bedeutend subventioniert werden oder wurden. Diese erweiterte "Österreich-Liste" [6], die 52 Audoklassys-Sektoren umfaßt, wird in 5 Gruppen von Produktionsbereichen eingeteilt, welche aus verschiedenen Gründen als sensibel einzustufen sind:

"Gruppe 1 umfaßt oft im Hochtechnologiebereich angesiedelte Produktionsbereiche, deren Nachfragestruktur durch einen hohen Anteil öffentlicher Beschaffung gekennzeichnet ist bzw. war und die aus diesem Grund vorwiegend von einer Vereinheitlichung der Normen für die Auftragsvergabe betroffen sind und sein werden. Auch durch heimische Standards und Prüfverfahren geschützt, blieben Außenhandelsaktivitäten dieser Gruppe bisher beschränkt, obwohl die in der EU nach diesen Produkten bestehende Nachfrage dynamisch verläuft ( dazu gehören Fernmeldegeräte, Zähler und Meßgeräte, Kabel und Drähte als auch Medizinische Geräte) .

Gruppe 2 enthält Produktionsbereiche mittlerer bis niedriger Technologie, die bisher durch eine Vielzahl von handelsbeschränkenden nationalen Regulierungen geschützt blieben, wichtige Vertreter sind hier die Bereiche der Nahrungsmittelproduktion. Das heimische Preisniveau blieb in dieser Gruppe aufgrund des Schutzes und erworbener Monopolmacht hoch, die Außenhandelsaktivität unterschreitet die aller anderen dargestellten Gruppen.

Gruppe 3 stellt generell auf stagnierende Sektoren mit mittlerem Preisniveau und einem mittlerem Ausmaß von nicht-tarifären Hemmnissen ab, die sich in vielen Bereichen - oft auch mithilfe der öffentlichen Hand - im Zustand der Umstrukturierung befinden (Grundstoffindustrien).

Gruppe 4 zeigt Massenkonsumgüter, die bisher durch Handelsbeschränkungen weitgehend geschützt wurden, bei freiem Markt oft aber auch in starker Konkurrenz zu Billiglohnländern stehen. Standardisierte Massenproduktion erlaubt hier die Nutzung von Skalenerträgen[7], heimischen Kleinanbietern dürfte daher allein eine Strategie der Produktverbesserung durch Spezialisierung und Nischenproduktion erfolgversprechende Perspektiven bieten.

Gruppe 5 bilden schließlich Produktionsbereiche, die im weitesten Sinn als geschützte Investitionsgüter angesehen werden können. Nicht- tarifäre Hemmnisse erreichen hier nur mittlere Höhe, die Außenhandelsverflechtung ist, nicht zuletzt durch eine Reihe von kürzlich angesiedelten Unternehmen, die Komponenten für die Autoindustrie erzeugen, relativ hoch."(Mayerhofer Peter,1992,p.119f)

Bezogen auf den Arbeitsmarkt ist davon auszugehen, daß zirka die Hälfte der in der Wiener Sachgüterproduktion Beschäftigten durch die Beseitigung nicht-tarifärer Handelshemmnisse Konsequenzen tragen müssen, die sich sowohl positiv als auch negativ auswirken können.

Wie im letzten Abschnitt werden im Anschluß Indikatoren definiert (Arbeitsproduktivität, Gewinnquote und Betriebsgröße), die sowohl in einer statischen als auch dynamischen Dimension aufgelistet werden. Um als wettbewerbsfähig zu gelten, muß die Arbeitsproduktivität eines sensiblen Sektors (definiert als Nettoproduktionswert je unselbständig Beschäftigten) 1988 im Vergleich zum Durchschnitt von EG- und EFTA-Ländern ebenso hoch gewesen sein wie seine Gewinnquote ( NPW minus Lohnsumme) geteilt durch den NPW in %. Da

Skalenertäge in der neuen Außenhandelstheorie eine entscheidende Rolle als Maßstab für die Wettbewerbsfähigkeit gilt, wurde auch die durchschnittliche Betriebsgröße als Wettbewerbsfaktor in die Analyse einbezogen und im Verhältnis zur durchschnittlichen Größe bundesdeutscher Betriebe bewertet[8].

Tabelle 3 läßt erkennen, daß sowie die Indikatoren der externen Performance auch jene der internen Wettbewerbsfähigkeit nicht auf eine besonders günstige Wettbewerbsposition der sensiblen Sektoren in Wien hindeuten. Besonders stark läßt sich der Nachteil gegenüber deutschen Unternehmen anhand der durchschnittlich geringeren Betriebsgröße von einheimischen Betrieben erklären. Infolge diesesUmstandes bleibt auch die Gesamtbewertung der meisten Sektoren niedrig. Nur Unternehmen im Bereich der Produktion von anti-alkoholischen Getränken als auch Druckereien können sich durch kompetitive Betriebsgrößen behaupten. Die Gruppe 1 (mit Ausnahme der Fertigung medizinischer Geräte) erscheint als allgemein intern wettbewerbsfähig, jedoch muß der Wegfall von Vorteilen in der öffentlichen Beschaffungspraxis bei Reorganisationen einbezogen werden. Große Teile der Gruppe 2 (Mittlere Technologie) lassen hohe Gewinnquoten erkennen, welche jedoch im Laufe der Vollendung des Binnenmarktes verstärkter Konkurrenz ausgeliefert sind und somit Teile ihrer

Tabelle 3 : Beurteilung der statischen internen Wettbewerbsfähigkeit

[9]

AUDO Sektor Arb.prod. Gew.quote Betr.größe Bewertungen Summe Gr. 1 Fernmeldegeräte 475,8 11,2 283 0 -1 0 -1 Zähler, Meßgeräte 466,5 20,8 104 0 0 -1 -1 Kabel, Drähte 535,4 18,6 302 1 -1 0 0 Medizinische Geräte 321,4 13,2 36 -1 -1 -1 -3 Gr. 2 Mahlprodukte 692,6 44,8 23 1 1 -1 1 Fleischprodukte 336,1 12,5 92 -1 -1 -1 -3 Zucker 946,9 6,4 81 1 -1 -1 -1 Übrige Nahrungsmittel 792,7 44,6 67 1 1 -1 1 Bier 591,9 25,3 80 1 0 -1 0 Alkoholische Getränke 499,7 25,6 51 0 0 -1 -1 Nichtalk. Getränke 731,2 44,1 152 1 1 1 3 Tabakwaren 5299,4 87,4 121 1 1 -1 1 Gr. 3 Zuckerwaren 309,9 18,5 88 -1 -1 -1 -3 Sägewaren 434,3 16,8 12 0 -1 -1 -2 Papier, Pappe 670,3 4,1 19 1 -1 -1 -1 Papierwaren 495,8 31,1 50 0 1 -1 0 Druckerei, Verlag 961,4 51,3 98 1 1 1 3 Pharmaprodukte 707,2 40,2 114 1 1 -1 1 Übrige chem. Endprod. 419,8 10,1 26 0 -1 -1 -2 Eisen un Stahl 800,9 35,6 117 1 1 -1 1 Gießereien 447,3 23,2 33 0 0 -1 -1 Gr. 4 Wolle 360,8 1,1 21 -1 -1 -1 -3 Strickwaren 266,1 3,6 17 -1 -1 -1 -3 Teppiche 416,1 25,5 38 0 0 -1 -1 Übrige Textilwaren 402,3 23,9 41 0 0 -1 -1 Leibwäsche 276,4 8,5 23 -1 -1 -1 -3 Schuhe 265,8 7,2 13 -1 -1 -1 -3 Sport-,Spielwaren 270,6 14,6 62 -1 -1 -1 -3 Radio, TV-Geräte 367,5 6,1 581 -1 -1 1 -1 Gr. 5 KFZ-Reifen 381,3 0 16 -1 -1 -1 -3 Chem. Grundstoffe 714,1 13,3 33 1 -1 -1 -1 Kunststoff,-fasern 403,7 12,5 77 0 -1 -1 -2 Erdölprodukte 806,9 1,8 129 1 -1 -1 -1 Metall-,Holzbearb.Ma. 576,9 28,1 50 1 0 -1 0 Kraftmaschinen 532,5 17,1 66 1 -1 -1 -1 Kühl-,Wärmeapparate 416,7 9,4 45 0 -1 -1 -2 KFZ und Komponenten 791,4 51,4 363 1 1 -1 1

Performance verlieren können. Ähnliches gilt für Sektoren der Gruppe 3, wobei von den in Wien wichtigen Produktlinien vor allem der Pharmabereich sowie Druckereien und Verlage zu nennen sind, allein sie machen rund 10 % der Beschäftigten in der Wiener Sachgüterproduktion aus. Die Bereiche der Gruppe 4 (Geschützte Massenkonsumgüter) konnten auch in der Vergangenheit bei bestehenden Handelshemmnissen keine interne Performance aufbauen. Gründe dafür sind die geringe Produktivität und Gewinnquoten als auch nicht kompetitive Betriebsgrößen. Besonders hohe Vorteile im Wettbewerb ergeben sich hier in Ländern mit geringen Arbeitskosten. Die Sektoren der Gruppe 5 (Investitionsgüter) liegen hier zwar besser, jedoch sind allein die Bereiche der metall- und holzverarbeitenden Maschinen und die Fahrzeugindustrie aufgrund ihrer hohen Gewinnquoten als relativ wettbewerbsstark anzusehen.

Tabelle 4 : Beurteilung der dynamischen internen Wettbewerbsfähigkeit

[10]

AUDO    Sektor               Arb.prod. NPW  Unselbstst. Lohnhöhe           Bewertungen         Summe
                                             Beschäft.

Gr. 1   Fernmeldegeräte         35,1    0,3   -25,8      39,9           -1      -1      -1      -1      -4
        Zähler, Meßgeräte       18,4   22,7     3,6      22,4           -1      -1       1       0       -1
        Kabel, Drähte           54,1   10,1   -28,5      50,6            0      -1      -1      -1      -3
        Medizinische Geräte     18,8   78,1    49,8      22,5           -1       1       1       0       1
Gr. 2   Mahlprodukte            50,7   15,2   -23,6      31,9            0      -1      -1      -1      -3
        Fleischprodukte          1,7   -2,4    -4,1      19,4           -1      -1       0       1       -1
        Zucker                  43,9  -14,3   -40,4      24,7            0      -1      -1       0       -2
        Übrige Nahrungsmittel   49,7   14,7   -23,4      25,3            0      -1      -1       0       -2
        Bier                     4,5  -43,2   -45,6      21,7           -1      -1      -1       0       -3
        Alkoholische Getränke   -0,9   13,1    14,2      22,2           -1      -1       1       0       -1
        Nichtalk. Getränke      84,8  267,9    99,1      24,5            1       1       1       0       3
        Tabakwaren               4,9   -6,8   -11,1      25,8           -1      -1      -1       0       -3
Gr. 3   Zuckerwaren              3,1  -14,4   -16,9      16,4           -1      -1      -1       1       -2
        Sägewaren               -2,3  -40,5   -39,1       1,6           -1      -1      -1       1       -2
        Papier, Pappe           30,3    9,3   -16,1      27,6           -1      -1      -1       0       -3
        Papierwaren             20,9  -10,7   -26,1      16,8           -1      -1      -1       1       -2
        Druckerei, Verlag      100,1  121,7    10,8      12,9            1       1       1       1       4
        Pharmaprodukte          68,1   97,1    17,3      32,4            0       1       1      -1      1
        Übrige chem. Endprod.    7,1  -63,4   -65,8      27,8           -1      -1      -1       0       -3
        Eisen un Stahl          73,1  -59,6   -76,6      31,6            1      -1      -1      -1      -2
        Gießereien               6,1  -48,4   -51,4      13,4           -1      -1      -1       1       -2
Gr. 4   Wolle                   48,9    5,1    29,5      50,1            0      -1      -1      -1      -3
        Strickwaren              7,1  -52,1   -55,3      26,6           -1      -1      -1       0       -3
        Teppiche                11,7  -14,1   -23,1     -12,5           -1      -1      -1       1       -2
        Übrige Textilwaren      13,1   77,5    56,9      23,2           -1       1       1       0       1
        Leibwäsche              55,3  -41,9   -62,6      24,2            0      -1      -1       0       -2
        Schuhe                  22,9  -19,8   -34,8     -43,1           -1      -1      -1       1       -2
        Sport-,Spielwaren        3,5   18,5    14,5      12,7           -1      -1       1       1       0
        Radio, TV-Geräte        49,5   73,1    15,7      26,4            0       1       1       0       2
Gr. 5   KFZ-Reifen              38,6   10,9   -20,1      81,5           -1      -1      -1      -1      -4
        Chem. Grundstoffe       29,1   -3,1   -24,9      51,7           -1      -1      -1      -1      -4
        Kunststoff,-fasern      23,7  118,2    76,3       9,2           -1       1       1       1       2
        Erdölprodukte           49,1   20,9   -18,9      36,2           -1      -1      -1      -1      -4
        Metall-,Holzbearb.Ma.   54,6   15,8   -25,1      40,4            0      -1      -1      -1      -3
        Kraftmaschinen          26,4    8,7   -14,1       9,5           -1      -1      -1       1       -2
        Kühl-,Wärmeapparate     26,5   13,1   -10,5      26,5           -1      -1      -1       0       -3
        KFZ und Komponenten     45,1   25,6   -13,5      24,1            0      -1      -1       0       -2

Zusammenfassend ausgedrückt können Sektoren, deren Gesamtbewertung zwischen -3 und -2 liegt als "schwach", jene mit Werten zwischen -1 und +1 als "ausgeglichen" und jene mit Bewertungen zwischen +2 und +3 als "stark" in ihrer Performance angesehen werden. In Tabelle 4 wird diese zuvor dargestellte statische Sichtweise wieder durch den dynamischen Aspekt erweitert, wobei eine Bewertung der Entwicklung einiger wesentlicher Kenngrößen interner Wettbewerbsfähigkeit durchgeführt wurde. Es wird dabei eine generell eher ungünstige Entwicklung interner Performance in den 80er Jahren in Wien deutlich. De-Industrialisierungsprozesse, die vor allem aufgrund der Abwanderung von Industriebetrieben an günstigere Standorte seit den 70er Jahren beobachtet werden können, setzten sich auch im Beobachtungszeitraum weitgehend fort, auch die Entwicklung der Arbeitsproduktivität blieb vor allem in den Sektoren der Gruppe 3 (Stagnierende Sektoren) und 4 (geschützte Massenkonsumgüter), aber auch im Investitionsgüterbereich unter der gesamtösterreichischen Dynamik.

Fallbeispiel eines Unternehmens, das sich in einer sensiblen Branche befindet

Die Semperit Reifen Aktiengesellschaft Wien/Österreich mit Produktionsstandort in Traiskirchen ( 20 km südlich von Wien ) steht seit Mitte der 80er Jahre im Besitz der Continental Aktiengesellschaft mit Sitz in Hannover. Dieser Konzern ist heute mit Unternehmen in ganz Europa von Irland bis Italien und Portugal bis Österreich, aber auch in den USA und Kanada verbunden. Assoziierte Werke befinden sich u.a. in Ecuador und Slowenien.

Nachdem sich Ende der 80er Jahre der Verlauf der Weltwirtschaftskonjunktur drastisch verschlechtert hatte, mußte auch Continental Konsequenzen daraus ziehen. Die Zahl der Belegschaft verringerte sich im Konzern von 1990 bis 1994 um zirka zweitausend Mitarbeiter (von ca. 51000 auf ca. 49000), wobei bei diesen Daten neu erworbene Gesellschaften einbezogen sind. Werden diese nicht in die Statistik aufgenommen, so hat sich der Mitarbeiterstand erheblich, nämlich auf ca. 39000, verringert. Das portugiesische Werk Continental- Mabor begann zum Beispiel 1992 mit der Produktion von Personenwagen- und kleinen Leichtlastwagenreifen (Mitarbeiterzahl 1994: 1035).

Seit 1990 begann Continental mit der forcierten Erschließung des osteuropäischen Marktes: In Ungarn wurde 1991 die Semperit Gumiabronics Kft. gegründet, deren Zentrale in Budapest für die Vertriebsorganisation und Vermarktung von PKW- und LKW- Reifen zuständig ist. Am 1. März 1993 wurden 76 % der Anteile des tschechischen Reifenerzeugers Barum mit Standort in Otrokovice übernommen.

Als Bestätigung für die immer deutlicher werdenden Anzeichen von Produktionsauslagerungen schreibt die Hannoversche Allgemeine Zeitung im

Jahre 1993 : "...Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, werden Produktionsverlagerungen in kostengünstigere Standorte mit möglichst geringem Investitionsaufwand vorgenommen. Mit der Übernahme von Barum in der Tschechischen Republik und von Sava in Slowenien bezieht der Konzern bereits heute Reifen aus dem Osten. Der Produktionsanlauf im Portugiesischen Lousado verläuft planmäßig, Landwirtschafts- und Industriereifen kommen aus einer polnischen Produktion,...". Und auch Continental läßt es im Jahresbericht 1993 verlauten : "...Mittelfristig wird ein zunehmender Teil unserer europäischen Reifenproduktion aus Ländern mit niedrigen Arbeitskosten kommen. In den Reifenwerken Barum ... und Continental Mabor ... konnte bereits 1993 die Produktion von PKW- Reifen gesteigert werden. ... Neben der Verlagerung von Produktion in diese neuen eigenen Werke des Konzerns werden auch Fabriken von Partnern in Slowenien, Polen und Thailand verstärkt genutzt. ...".

Auf der anderen Seite ist Continental bemüht, den Bereich "Forschung und Entwicklung" an einem Standort zu komprimieren. Dazu ein Auszug aus dem Geschäftsbericht 1994 : " ...1994 wurde der Grundstein für die Zusammenführung unserer Reifenentwicklung gelegt, die sich historisch bedingt in Europa an unterschiedlichen Standorten befindet. Im Werk Hannover-Stöcken errichten wir ein Technologie-Zentrum mit einem Aufwand von 100 Mio. DM, in dem 1996 rund 1000 Forscher und Entwickler arbeiten werden. In direkter Nachbarschaft wurde ein neues Entwicklungszentrum mit zur Zeit 35 Ingenieuren und Wissenschaftlern für den Bereich Fahrzeugsysteme eingerichtet. Die nahe gelegene Reifenversuchsstrecke Contidrom bauen wir mit 12 Mio DM aus. ...".

Die Folgen für Semperit sind unübersehbar : Mitarbeiterabbau von 1992 bis 1994 um 20,4 % (von 3031 im Jahre 1992 über 2614 Mitarbeitern 1993 bis zum Stand von 2411 Ende 1994). Teilweise Auslagerung von Bereichen der Forschung und Entwicklung.

Es ist zu hoffen, daß das Traiskirchner Werk in Zukunft nicht nur als Zwischenlager für in Osteuropa erzeugte Reifen dient.

Ostexportprofitierende Branchen

Die Entwicklung des österreichischen Außenhandels mit Ost-Mitteleuropa (Ungarn, CSFR, Polen), Ländern in welchen die Reformen des Außenhandels relativ weit fortgeschritten sind, deutet auf bedeutende Vorteile der Ostöffnung für Österreichs Sachgüterproduktion hin. Der Außenhandel zwischen den drei oben genannten Staaten und Österreich stieg von 1989 bis 1993 um das Doppelte im Export, während die Importe aus Osteuropa nur um die Hälfte zugenommen haben.

In den österreichischen Importen aus Ost-Mitteleuropa sind Roh- und Brennstoffe weiterhin noch stark vertreten, die Struktur des gegenwärtigen Außenhandels entspricht jetzt besser als in der Vergangenheit dem Entwicklungsniveau der beteiligten Länder. Angesichts der im allgemeinen nur geringen Ausstattung Ost- Mitteleuropas mit Rohstoffen ist ein Übergang zum Export von Fertigwaren eine unerläßliche Voraussetzung für eine dynamische Entwicklung des gegenseitigen Außenhandels.

Die Handelsausweitung mit der ehemaligen Tschechoslowakei war am stärksten, diejenige mit Polen am geringsten. Insgesamt konnte Österreich das 1989 noch bestehende Außenhandelsdefizit mit diesen drei Handelspartnern bis 1993 in einen beträchtlichen Außenhandelsüberschuß von über 10 Mrd. ÖS umkehren. Diese Tendenz setzte sich im ersten Halbjahr 1994 fort, auch mit Slowenien konnte eine starke Handelsausweitung (und Marktpositionsverbesserung) Österreichs beobachtet werden. Das Österreich durch die Ostöffnung im Bereich der Markterweiterung besonders profitieren kann, liegt auch in der Distanzabhängigkeit des Außenhandels begründet. Transport- und Transaktionskosten stellen einen wesentlichen (negativen) Einflußfaktor auf das Volumen des bilateralen Handels und damit eine Art Handelsbarriere dar. Für Österreich wurde geschätzt, daß rund 60% aller Exporte nach Westeuropa innerhalb einer Entfernung von 300 km ab der Grenze verbleiben.

Es ist eine hohe Importneigung der osteuropäischen Länder an österreichischen, generell westlicher Güter festzustellen, die auf sechs Faktoren zurückzuführen ist.

Seit der Ostöffnung haben sich Volumen und Struktur des Osthandels verändert. Es ist zum Beispiel zu beobachten, daß der Handel mit Fertigerzeugnissen; traditionellen Konsumgütern, Maschinen und Fahrzeugen, chemischen Erzeugnissen sowohl auf der Export wie auch auf der Importseite deutlich Zuwächse verzeichnete. Der Handel mit Agrarwaren und Rohstoffen jedoch Rückgänge verzeichnete. Bei Fertigwaren (innerhalb der einzelnen Warengruppen) zeigt sich, daß Österreich als die entwickeltere Volkswirtschaft auf höherwertigere Güter spezialisiert ist, während die Oststaaten deutlich niedrigere "unit values" der Exporte in den jeweiligen Warengruppen aufweisen.

Durch zusätzliche Absatzmöglichkeiten, erhalten einige Branchen (ostexportprofitierende Branchen) Wachstumsimpulse, die Kapazitätsausweitung und positive Beschäftigungseffekte an den östereichischen Produktionsstandorten aufzeigen.

Um jene Bereiche der österreichischen Sachgüterproduktion herausfiltern zu können, die durch die Öffnung der osteuropäischen Märkte neue Absatzpotentiale erschließen konnten, muß die positive Betroffenheit hinsichtlich mehrerer Aspekte eingeschränkt werden.

  1. Die positive Betroffenheit trifft nur dann zu, wenn der Exportzunahme keine wertmäßig ähnlich hohe Importzunahme aus Osteuropa gegenübersteht, die zu Marktanteilsverlusten der österreichischen Produktion am Heimatmarkt führt.

  2. Eine Zunahme des Ostexports stellt nur dann einen positiven Effekt dar, wenn das Ostexportvolumen einen ausreichend hohen Anteil am Produktionsvolumen einer Branche ausmacht.

  3. Eine kurzfristige Zunahme der Ostexporte kann auch in Branchen stattfinden, die mittelfristig aufgrund ihrer Faktoreinsatzstruktur und Stellung im Produktlebenszyklus starke Standortkonkurrenz aus Osteuropa zu erwarten haben.

  4. Eine Spezialisierung auf den Ostexport (bei gleichzeitiger Abwendung von Westexporten) kann bei einem geringen qualitativen Wettbewerbsdruck an den Ostmärkten zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit auf den anspruchsvolleren (langfristig interessanteren) Westmärkten führen.

Ostexportprofitierende Branchen, sind jene, die einen Zuwachs ihrer Exporte nach Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei zwischen 1988/89 und 1992/93 um mindestens 50% und gleichzeitig eine Handelsbilanzverbesserung (Ostexporte sind im Vergleichszeitraum stärker gestiegen als die Ostimporte) im Handel mit diesen Ländern verzeichnen konnten. In der empirischen Untersuchung wurden nur jene Branchen berücksichtigt, deren Ostexportvolumen in den Jahren 1992/93 im Durchschnitt mindestens 500 Mio öS oder mindestens 4% ihres Bruttoproduktionswertes ausgemacht hatte. In Abbildung 3 ist ersichtlich, daß vor allem Branchen der chemischen, Maschinen- Elektro- und Fahrzeugindustrie als ostexportprofitierende Branche identifiziert werden konnten. Bei diesen Branchen handelt es sich größtenteils um technologieintensive Produktionen, deren Produktqualität von osteuropäischen Produzenten nicht erreicht wird.

Es ist interessant zu beobachten, daß einige Branchen, die bereits als lohnkostensensibel identifiziert wurden und bei denen osteuropäische Standorte komparative Vorteile besitzen, ebenfalls eine beträchtliche Markterweiterung im Osten ohne entsprechenden Positionsverlust durch Ostkonkurrenz am Heimatmarkt durchführen konnten.

Dies betrifft Bereiche der Textilindustrie, der Metallbe- und -verarbeitung, die Erzeugung optischer und feinmechanischer Güter, die Erzeugung von Sportartikeln, Spielwaren und Musikinstrumenten, die Erzeugung sonstiger Transportmittel sowie die Erzeugung von Elektromotoren. Eine Erklärung dafür ist, daß die betrachteten Branchen beträchtliche Produktdifferenzierungen aufweisen und außerdem eine innersektorale Arbeitsteilung zwischen Österreich und Osteuropa stattfindet, wobei sich Österreich auf die qualitativ hochwertigeren Produktsegmente spezialisiert. Es konnten weiters die Papiererzeugung und die Eisen- und Stahlerzeugung, zwei energiekostensensible Branchen, als potentiell profitierende Branchen identifiziert werden. Bei diesen Branchen kann jedoch erwartet werden , daß mit der Zeit die osteuropäischen Länder diese Importe durch eigene Produktionen, zumindest teilweise, ersetzen werden.

Als potentiell eher stärker ostexportprofitierende Branchen konnten jene identifiziert werden, die nicht lohn oder energiekostensensibel sind und aus diesem Grund mit langfristigeren Marktchancen im Osten rechnen können.

Abschließend ist zu sagen, daß rund 40% aller Arbeitsplätze in der österreichischen Sachgüterproduktion als potentiell ostexportprofitierend identifiziert werden konnten, wobei sich 28,5% aller Arbeitsplätze weder in lohn noch in energiekostensensiblen Branchen befinden.

Abb.3: ostexportprofitierende Branchen 1991 (110k)

Das Verkehrsproblem bei der Standortverlagerung

Allgemeines

Eine Untersuchung, welche im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien erstellt wurde hat ergeben, daß 16 %, das sind ein Sechstel, der Wiener Produktionsbetriebe ihren Standort wechseln wollen. Davon wiederum gaben 61 % als Grund für einen geplanten Standortwechsel das Verkehrsproblem an. Somit stellen Verkehrsprobleme einen der wichtigsten Faktoren für den Standortwechsel dar. (Nettig W., 1994)

Der Wirtschaftsverkehr in Wien

Zunächst möchte ich den Begriff Wirtschaftsverkehr definieren. Der Wirtschaftsverkehr umfaßt alle Verkehrsarten, die unmittelbar dazu beitragen, daß ein bestimmter Raum seine Wirtschaftskraft nicht einbüßt. Zum Wirtschaftsverkehr gehört vor allem der Großteil des Güterverkehrs. Güter können entweder als Produktionsfaktoren im Herstellungsprozeß benötigt werden, oder als fertige Produkte aus dem Herstellungsprozeß hervorgehen und über die Distributionswege dem Nachfrager zugeführt werden. Wenn dieser Herstellungsprozeß kommerziell motiviert ist, dann zählen die dabei anfallenden Güterbewegungen zum Wirtschaftsverkehr. (Faller P., 1992)

Derzeit werden in Wien jährlich etwa 69 Millionen Tonnen Güter befördert. Davon werden rund 40 Millionen auf der Straße, ca. 21 Millionen auf der Schiene und rund 8 Millionen auf dem Wasser befördert.

Bedingt durch die veränderten Rahmenbedingungen wie die Ostöffnung oder der Beitritt zur EU werden sich in den nächsten Jahrzehnten die wirtschaftlichen Verflechtungen intensivieren. Prognosen gehen von Steigerungen im Güterverkehrsaufkommen innerhalb der nächsten zehn Jahre von insgesamt etwa 50 % aus. (Sedlmayer H., 1994)

Als weiterer Standortfaktor kann der Transportkostenvorteil genannt werden. Güterverkehrszentren werden als die Lösung der durch den städtischen Wirtschaftsverkehr verursachten Probleme angeführt. Unter einem Güterverkehrszentrum oder Güterverteilzentrum versteht man einen Ort, an dem eine Verknüpfung mehrere Verkehrsträger erfolgt und logistische Leistungen produziert werden.

Die Verknüpfungsfunktion der Verkehrsträger sowie die koordinierte Erbringung von logistischen Leistungen durch Logistikbetriebe in Kooperation mit dem Ziel der Nutzung von Synergieeffekten machen einen Frachtenterminal oder ein Güterverteilzentrum erst zu einem Güterverkehrszentrum. (Schneidewind P., 1992)

Die Frage, ob Wien ein Güterverkehrszentrum braucht, gewinnt im Hinblick auf die Terminalsituation im Kombinierten Verkehr und im Zuge der geplanten Großinvestition der ÖBB in einen neuen, leistungsfähigen Frachtenbahnhof an Bedeutung. Unter dem Aspekt der Minimierung der zu fahrenden Stadtkilometer sowie unter Berücksichtigung der Kriterien wie:

gelten aus logistischer Sicht folgende Standorte als optimal:

Distributionszentrum Nord-West Raum Heiligenstadt
Distributionszentrum Süd-West Raum Inzersdorf
Distributionszentrum Nord-Ost Raum Hirschstetten

Mit der Realisierung dieses Modells können sowohl qualitative als auch quantitative Verbesserungen erzielt werden.

Für die Wiener Bevölkerung bestehen die positiven Effekte in der Reduktion des Verkehrsaufkommens und damit der Verminderung der täglichen Umweltbelastung durch Lärm und Abgase. Der Kostenersparnis, die sich durch eine Reduktion der gefahrenen Stadtkilometer pro Tag ergibt, stehen allerdings geschätzte Investitionskosten in der Höhe von über einer Milliarde Schilling gegenüber. (Thomas M.,1994) Der Wiener Hafen ist bereits heute ein Güterverkehrszentrum gemäß der bekannten Definition.

Die Verkehrsentwicklung von 1993 - 1994

Für das gesamte Bundesgebiet errechnet sich nach Ausschluß von Zählstellen mit besonderer, nicht typischer Verkehrsentwicklung für die Wachstumsrate der jahresdurchschnittlichen täglichen Verkehrsstärken von 1993 auf 1994 ein Wert von 4,1%; der Verkehrszuwachs war damit nur knapp niedriger als im Durchschnitt der Jahre seit 1970, aber höher als im Durchschnitt seit der Verlangsamung des Verkehrszuwachses im Jahre 1990. Für diesen durch Schwankungen, verursacht unter anderem von der Jugoslawienkrise (1991) und der danach folgenden Verkehrsbelebung in Ost-West-Richtung, gekennzeichneten Zeitabschnitt ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Verkehrssteigerung von 3,6 %. Als wesentlicher endogener Einfluß auf die Verkehrsentwicklung (im Vorjahr nur +1,9 %) ist die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung anzusehen. So hat im Vorjahr das BIP (Bruttoinlandsprodukt) um 0,1% abgenommen, für das Berichtsjahr ist eine Zunahme des BIP um 2,7 % prognostiziert. (Steierwald G., 1995)

Die Verkehrswege

Verkehrsweg Wasser

Der Wiener Hafen ist einer der größten österreichischen Bahnkunden und leistet gemeinsam mit seinen Kunden und mit den auf seinen Gebieten ansässigen Unternehmen einen Jahresumschlag von rund 10 Millionen Tonnen, wobei auf das Wasser hiervon rund 2 Millionen Tonnen entfallen. Hinzu kommt ein Distributionszentrum für Markenartikel in der Größe von 55.000 m[[twosuperior]], wo jährlich eine Manipulation von über 100.000 Tonnen abgewickelt wird und damit auf Verteilereffekte für die Stadt Wien erzielt werden. Weiters kommt der Containerterminal des Wiener Hafens hinzu, der mit rund 100.000 TEU (Containereinheiten) jährlich der größte von einem europäischen Binnenhafen betriebene Containerterminal Europas ist. Für die zukünftige Entwicklung des Wiener Hafens wird die Vergrößerung des Ballungseffektes im Raum der Häfen Freudenau und Albern entscheidend sein, dies bedeutet einerseits die Schaffung weiterer Lagerressourcen und andererseits die Bereitstellung von Flächen zur Ansiedlung von Speditionen und Distributionsunternehmen.

Für den Bereich Albern wurde gemeinsam mit der Stadt Wien eine Ausbauindustrie in Auftrag gegeben. In Akkordanz mit dem Bundesland Niederösterreich und der Gemeinde Schwechat sollen auch die angrenzenden Flächenressourcen in ein gemeinsames Konzept eingebunden werden. Daneben laufen Kooperationsgespräche mit den Österreichischen Bundesbahnen hinsichtlich einer Verbindung der Hafenstandorte über die Schiene, der Organisation eines reibungslosen Zu- und Nachlaufes zur Wasserstraße sowie einer möglichen Kooperation im Containergeschäft.

Vor dem Hintergrund der steigenden Bedeutung des kombinierten Verkehrs sowie des bereits heute im Wiener Haben etablierten Containerumschlages ist festzuhalten, daß der Bereich Albern einerseits der einzige Standort im Wiener Raum ist, der auch den dritten Verkehrsträger Wasserstraße als Alternative anbieten kann und andererseits genau an der Stelle liegt, an der in Zukunft Ostverkehre auf das Wiener Stadtgebiet treffen werden. Für die Zukunftsvision eines Güterverteilungszentrums durch gebündelte Ansiedlung von Speditionen, sind ein Miteinander der Bundesländer Wien und Niederösterreich sowie das Vermeiden jeglichen Ausspielens der Verkehrsträger untereinander wichtige Voraussetzungen. (Schrems R..,1992)

Verkehrsweg Schiene

Durch die politischen Veränderungen nach 1918 und insbesondere nach 1945 traten die ehemals wichtigen Verbindungen von Wien nach Budapest und Prag in den Hintergrund, wobei nicht vergessen werden darf, daß diese Strecken auch nach 1945 wesentliche Verbindungen im Ost- West-Verkehr darstellten. Durch die unterschiedliche Wirtschaftsentwicklung diesseits und jenseits des Eisernen Vorhanges stagnierte allerdings der Verkehr auf diesen Relationen und blieb weit hinter der Entwicklung des Verkehrs nach Westen zurück. Dies führte dazu, daß auf den in die osteuropäischen Länder führenden Strecken nur geringfügige Verbesserungen vorgenommen werden konnten, während die übrigen Strecken im österreichischen Eisenbahnnetz entsprechend den Bedürfnissen modernisiert und ausgebaut wurden.

Die im Gefolge der Ostöffnung zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa wird auch zu bedeutenden Veränderungen der Verkehrsströme führen. Die Erschließung der neuen Märkte erfordert Modernisierungen und Ausbauten der bestehenden, für die zukünftigen Anforderungen unzureichenden Verkehrswege.

Unabhängig von den getroffenen, teilweise unterschiedlichen Annahmen zeigen alle Prognosen langfristig ein starkes Ansteigen des Ost-West-Verkehrs. Österreich hatte hier aufgrund der geographischen Lage schon in der Vergangenheit eine wichtige Position, die nach den Prognosen auch in Zukunft gegeben sein wird, wobei der Ausbau der Verkehrswege eine wesentliche Voraussetzung ist. Neben ihrer Funktion im bilateralen Verkehr sind hier vor allem die Verbindungen von Wien nach Budapest und nach Prag als Teile wichtiger internationaler Achsen von besonderer Bedeutung für die Rolle Wiens als Verkehrsdrehscheibe.

Die in Westeuropa zu beobachtenden Entwicklungen auf dem Verkehrssektor haben deutlich die Notwendigkeit einer Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene gezeigt, um die durch den Verkehr verursachten Belastungen der Umwelt in der Zukunft so gering als möglich zu halten.

Hinsichtlich der Bedürfnisse des Güterverkehrs bedeutet dies vor allem die Erzielung einer ausreichenden Leistungsfähigkeit. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit ist hier nicht von ausschlaggebender Bedeutung, wobei jedoch ein Geschwindigkeitsniveau von etwa 120 km/h anzustreben ist, um auch künftige Entwicklungen abdecken zu können. Zur Erzielung kurzer Transportzeiten sind leistungsfähige Terminals erforderlich, in denen die nötigen Umschlagsarbeiten rationell abgewickelt werden können.

Die durch die Ostöffnung erfolgte Veränderung der politischen Rahmenbedingungen in Europa erforderte auch eine Überarbeitung des Leitplanes für das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz. Bereits 1991 wurden die entsprechenden Arbeiten auf der Ebene der UIC, dem internationalen Eisenbahnverband, in Angriff genommen. Sie führten zur Entwicklung eines Leitplanes für ein gesamteuropäisches Hochgeschwindigkeitsnetz, der 1992 vorgelegt wurde. Er enthält im Gegensatz zu den früheren Planungen nunmehr auch die Verbindungen von Wien in die osteuropäischen Länder. Die Städte Wien, Prag und Budapest werden dadurch wieder zu wichtigen Knotenpunkten im europäischen Eisenbahnnetz.

Die Arbeiten zur Einbeziehung der osteuropäischen Länder in ein gesamteuropäisches Hochgeschwindigkeitsnetz haben allerdings gezeigt, daß das System Hochgeschwindigkeit in diesen Ländern nur eine langfristige Lösung der Verkehrsprobleme bieten kann, während der Ausbau und die Modernisierung der bestehenden Strecken vorrangig sind. Neben einer langfristigen Lösung, die unter anderem die Errichtung von Hochgeschwindigkeitsstrecken von Wien nach Budapest und nach Prag enthält, wurde daher auch eine Lösung mit dem Zeithorizont 2000 ausgearbeitet,. die in den osteuropäischen Ländern vor allem Anhebungen der Streckenhöchstgeschwindigkeiten auf 160 km/h und Modernisierungen auf wichtigen Strecken vorsieht. (Hainitz H., 1993)

Verkehrsweg Straße

Ein Großteil des Neuen Ostverkehrs aus und durch Österreich läuft über Wien. Die Intensivierung der österreichischen Ostbeziehung wird vor allem den Verkehr auf der Achse Salzburg-Linz-Wien-Ostgrenze beleben. Für das westeuropäische Verkehrsnetz bildete Wien in den letzten vierzig Jahren ein "Dead End". Wien wird nun seine eigentliche Bedeutung als Schnittpunkt europäischer Magistralen wieder erlangen. Hier schneiden sich die kürzesten Verbindungen zwischen wichtigen Bevölkerungs- und Industriezentren Ost- und Westeuropas.

Das neue Anrainerpotential von etwa 26 Millionen Bürgern aus der Tschechei, der Slowakei und aus Ungarn wird vor allem mit dem Wiener Raum enge Verbindungen knüpfen. Außerdem führt auch ihr Weg zu den wichtigen Märkten in Süddeutschland, der Schweiz und Oberitalien zum Teil über Wien.

Es bestehen bereits wesentliche Kapazitätsengpässe im österreichischen Straßen- und Bahnnetz, die zu erwartende Zunahme des Binnenverkehrs, des grenzüberschreitenden Westverkehrs und die aufgezeigte mögliche Entwicklung des "neuen" Ostverkehrs werden die Engpaßprobleme drastisch verschärfen. Sie werden vor allem im Raum Wien spürbar werden. Die täglichen Stauungen auf den Wiener Nord-, Süd- und Westeinfahrten sowie auf der Süd-Ost-Tangente machen hier die Straßenengpässe deutlich.

Das Potential des Ost-Güterverkehrs wird selbst unter optimistischen Annahmen kaum in diesem Jahrzehnt voll zum Tragen kommen.

Vergleichende Gegenüberstellung der Straßenbenutzung in Wien und Umgebung

   Meßgebiet     Straßen-           Jahr        LKW-Verkehr      
jährl. Wachstums-  
                 bezeichnung                    DTLVW *          rate in %          
                                                                                    
                 A23                1993        5966                                
                 (Südosttangente                                                    
                 Wien)              1994        7164             20,1               
                                                                                    
                 A22                1989        5181                                
                 (Donauuferauto-                                                    
                 bahn)              1990        6166             19                 
                                    1991        8044             30,5               
                                    1992        8485             5,5                
                                    1993        8308             -2,1               
  nördl. der                        1994        9688             16,6               
     Donau                                                                          
                                                                                    
                 A22                1988        3398                                
                 (Donauuferauto-                                                    
                 bahn)              1989        3825             12,6               
                                    1990        3874             1,3                
                                    1991        4137             6,8                
                                    1992        4475             8,2                
                                    1993        4364             -2,5               
                                    1994        4485             2,8                
                                                                                    
                                                                                    
                 A4 Ostautobahn     1992        4643                                
                                    1993        4503             -3                 
                                    1994        4988             10,8               
  östlich von                                                                       
     Wien                                                                           
                 Burgenland         1990        1581                                
                 Bundes-                                                            
                 straße             1991        1671             5,7                
                                    1992        1638             -2                 
                                    1993        1602             -2,2               
                                    1994        1896             18,4               
                                                                                    
                                                                                    
                 S31 Burgenland     1986        660                                 
                 Schnellstraße      1992        1256             10                 
  südlich von                       1993        1293             2,9                
     Wien                                                                           
                                    1994        1437             11,1               
                                                                                    
                 A3                 1993        1239                                
                 Südost-Autobahn                                                    
                                    1994        1486             19,9               
                                                                                    
*                                                                                   
durchschnittliche tägliche Verkehrsstärken Werktagsverkehr                                                                                                                                             
                                                                                                                               
                                                                                    
                                                                                    
Quelle: Automatische Straßenverkehrszählung 1994,                                                                                               
BM für wirt. Angelegenheiten                                                                       

Auch wird im Außenhandel der Oststaaten die Tendenz mehr mit dem LKW zu transportieren zunehmen. Österreich kann jedoch in diesem Bereich durch die Vergabe von Fahrgenehmigungen für Straßentransporte den Ostverkehr begrenzen. (Puwein W., 1992)

Selbst wenn es der Bahn gelingen sollte, durch intensive Maßnahmen und attraktive Angebote einen Gutteil des Schwertransports zu übernehmen, wird es immer noch mehr als genug LKW-Verkehr geben, der auf der Straße abgewickelt wird, außerdem darf Schwerverkehr nicht unbedingt mit Transit gleichgesetzt werden. So ist schon jetzt nicht nur die Südosttangente meist überlastet; auch die Bewohner der Stadtrandgemeinden leiden bereits empfindlich unter dem PKW- und LKW-Verkehr, der täglich zwischen Süd- und Ostautobahn unterwegs ist.

Nicht zuletzt für die Bewohner dieser Orte soll daher im Süden Wiens eine hochrangige Verbindungsstraße zwischen der A2 und der A4 errichtet werden, nämlich die B301. Sie sollte rund 40.000 bis 50.000 Fahrzeuge aufnehmen können und damit die Ortschaften der Gegend deutlich entlasten. Bei den Planungsarbeiten muß jedoch schon darauf geachtet werden, daß diese Straße in höchstem Maße umwelt- und menschenverträglich gestaltet wird.

Gleichzeitig hätte die B301 aber auch die Aufgabe, wichtige Standorte wie den Donau-Hafen Albern und den Güter-Terminal Metzger-Werke in verträglicher Weise zu erschließen. Wenn der Güterverkehr vor allem auf der Schiene abgewickelt werden soll, müssen die Güter, die transportiert werden sollen, schließlich auch irgendwie zu den Waggons gebracht werden.

In der Folge wird auch eine weitere Donauquerung für den Autoverkehr diskutiert. Derzeit laufen Diskussionen über eine mögliche 6. Donaubrücke oder einen Tunnel unter der Donau und der Lobau. Weitere Straßenbauvorhaben stehen vor allem in enger Verbindung mit der Erschließung neuer Wohngebiete, beziehungsweise der Entlastung alter Ortskerne. (Dvorak W., 1994)

Daß nicht nur diskutiert wird, kann man am Beispiel der Autobahn Wien-Budapest erkennen. Mit Fertigstellung ist diese seit 4.Jänner 1996 durchgehend befahrbar und spart den Reisenden somit eine Fahrzeit, nach ÖAMTC-Schätzungen, von etwa 30 Minuten. (Der Standard, 4.Jänner 1996)

Konsequenzen für die Industriepolitik

Es wird insgesamt hiermit deutlich, daß aus der EU- Integration erwachsende Anpassungsbedürfnisse für die Wiener Sachgüterproduktion jene aus der Ostöffnung kurzfristig übersteigen. "Während die Aufhebung nicht-tarifärer Handelshemmnisse im Zuge der Binnenmarkteingliederung schon auf kurze Sicht zu einer deutlichen Veränderung der Rahmenbedingungen für weite Teile der Wiener Sachgüterproduktion führt, bleiben die Auswirkungen der Ostöffnung kurzfristig auf wenige Bereiche energieintensiver und arbeitsintensiver Produktionszweige begrenzt, die zudem in Wien einen im Vergleich zur österreichischen Industrie nur bescheidenen Beitrag zur Gesamtbeschäftigung leisten. Deutliche Bedrohungsbilder aus beiden Integrationsprozessen ergeben sich auf kurze Frist allein im Bereich traditioneller Konsumgüter, vor allem Sektoren der Textil- und Bekleidungsindustrie sehen sich verstärkter Billigkonkurrenz sowohl aus den Reformstaaten Osteuropas als auch aus der südlichen Peripherie der EU gegenüber. Breite Kernbereiche der Wiener Sachgüterproduktion könnten allerdings auf mittlere Sicht durch neue Konkurrenten aus Ostmitteleuropa unter Druck geraten, wenn diesen Ländern über Technologietransfer ein "Up-Grading" humankapital- und technologieintensiver Produktionslinien gelingt.

Anpassungsleistungen an die neuen Rahmenbedingungen müssen großteils durch veränderte Unternehmensstrategien erbracht werden, öffentliche Industriepolitik hat die Anstrengungen der Unternehmen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit jedoch durch eine offensive Strukturpolitik zu unterstützen.

Infrastrukturpolitik hat im Hinblick auf die neuen Anforderungen an die Wiener Sachgüterproduktion verstärkt von der Zielsetzung einer Verbesserung der Erzeugungs-, Vertriebs- und Kommunikationsbedingungen für die einzelnen Unternehmen auszugehen und damit Wien als Standort eines hochwertigen Segmentes der Sachgüterproduktion abzusichern." (Mayerhofer Peter, 1992,S.124f)

Literaturverzeichnis

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Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten, Abteilung VI/1, 1994. "Automatische Straßenverkehrszählung Jahresübersicht 1994", Tabelle 19.

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Nettig, W., Magistrat der Stadt Wien, MA 18, Wien 1994

Faller P., "Stadt- und Wirtschaftsverkehr: Befunde, Optionen, Konzepte", Wien 1992

Sedlmayer H., Magistrat der Stadt Wien, MA 18, Wien 1994

Schneidewind P., "Stadt- und Wirtschaftsverkehr: Befunde, Optionen, Konzepte", Wien 1992

Thomas M., Magistrat der Stadt Wien, MA 18, Wien 1994

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Hainitz H., "Perspektiven 9/10/1993", Wien 1993

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Dvorak W., "Wien - verkehrt?!", Wien 1994

Der Standard, "Autobahnschluß Wien-Budapest", 4.Jänner 1996

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WIFO Vorträge (p. 7),"Standortindikatoren Österreich", Jahresbericht 1993/94 WIFO

Botzenhart U. , Standort Österreich :" Wo es Euch gefällt......"Wirtschaftsblatt; Dienstag, 31 Oktober 1995. (P.2)

"Alpenstaat als Insel", Cover Europa; Schweizer im Out.Internationale Wirtschaft NR. 35/September 1995. (p. 19)

Gassler H./Rammer C., "Regionale Unterschiede in der Betroffenheit

durch die Ostöffnung: eine empirische Untersuchung der österreichischen Sachgüterproduktion auf Basis der Bezirksdaten" Wirtschaft und Gesellschaft 21 ,1995 , NR. 01 (p.13-17)

Ninz L. ,"Investitionsboom in Österreich".Standard; Dienstag, 9.Jänner 1996.(p.12)

Kramer H./Peneder M./Stankovsky J.,"Chancen und Gefährdungspotentiale der Ostöffnung: Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft"; Aiginger, Karl (Koordination).

Teil 1: Problemstellung und theoretische Betroffenheit.

Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten; Wien, Februar 1993.

Geldner N./Peneder M./Stankovsky J.,"Chancen und Gefährdungspotentiale der Ostöffnung: Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft"; Aiginger, Karl (Koordination).

Teil 2: Freihandelsabkommen, Unternehmensbefragung, Kostenvergleich.

Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Angelegenheiten; Wien, Februar 1993.

Mayerhofer P., "Wien im neuen Mitteleuropa- ökonomische Effekte der Ostöffnung", WIFO, Wien, Dezember 1992

Continental AG, "Geschäftsbericht", 1989 - 1994